Ein Schaden für die Bühnen Halle und für die Stadt

Von Detlef Brandenburg am 12.04.2019

Nun hat sich also der Aufsichtsrat der Theater, Oper und Orchester Halle GmbH (TOOH) nochmals mit den schweren Konflikten und den in diesem Zusammenhang erhobenen Vorwürfen gegen den Geschäftsführer Stefan Rosinski befasst. Nach immer neuen öffentlichen Wortmeldungen, Beschuldigungen und Nachrichten über obskure Vorgänge in der TOOH war die Erwartung geweckt worden, dass der Aufsichtsrat Rosinski vorläufig beurlauben werde. Das wurde mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt, Rosinski kann weitermachen. Vorerst jedenfalls. Die Mitteldeutsche Zeitung zitiert den Aufsichtsrat mit den Worten, man erwarte nun „professionelles Verhalten und konstruktive Zusammenarbeit im Interesse der Gesellschaft“. „Sollte dies nicht innerhalb eines Monats zum Erfolg führen, wird der Aufsichtsrat personelle Konsequenzen beschließen.“

Schauspielintendant Matthias Brenner erklärte daraufhin, dass er mit sofortiger Wirkung alle Verhandlungen zur Verlängerung seines Vertrages beendet. Falls es bei seiner Erklärung bleibt, brauchen die Bühnen Halle in absehbarer Zeit sowohl im Schauspiel wie auch in der Oper eine neue Führung. Denn Opernintendant Florian Lutz, bundesweit hoch gelobt und ausgezeichnet für seinen innovativen, kreativen Kurs im Musiktheater, war bereits zuvor vom Aufsichtsrat nicht verlängert worden, nachdem er sein Bleiben am Haus davon abhängig gemacht hatte, dass Rosinskis Vertrag als Geschäftsführer nicht verlängert wird.

 

Damit hat sich der Aufsichtsrat für die Verlängerung einer Hängepartie entschieden, die er schon längst hätte beenden müssen. Natürlich ist es für Außenstehende kaum zu beurteilen, was da wer wann wie gemacht hat. Dazu sind die Vorgänge zu komplex, teils auch zu schmutzig, zu intrigant. Das können nur juristische Profis aufklären, wozu es möglicherweise noch kommen wird. Doch nach allem, was seit Monaten in nie versiegender Folge über diverse Medien an die Öffentlichkeit dringt, müsste dem Aufsichtsrat längst klar sein, dass das Epizentrum all der Unruhen nicht bei den künstlerischen Leitern liegt, sondern in der Geschäftsführung. Der Geschäftsführer Stefan Rosinski ist offensichtlich nicht in der Lage, für Frieden in seinem Betrieb zu sorgen. Wäre er es doch, hätte er diesen Frieden längst herstellen müssen.

Brenners Pressemitteilung zum Ergebnis der Aufsichtsratssitzung ist an Deutlichkeit kaum zu übertreffen. „Das Ergebnis der heutigen Aufsichtsratssitzung nehme ich schockiert zur Kenntnis“, schreibt er. „Ich breche alle Verhandlungen zu dem mir vorliegenden Vertragsverlängerungsangebot mit sofortiger Wirkung ab. Ich habe vom Aufsichtsrat die lückenlose und transparente Aufklärung der von mir und zahlreichen anderen Akteuren erhobenen schweren Vorwürfe der massiven Störung des Betriebsfriedens durch den Geschäftsführer der TOOH, Stefan Rosinski, gefordert. Hierzu sind Teile des Aufsichtsrates offenkundig nicht bereit. Sie nehmen damit an der voranschreitenden Zerstörung des Betriebsfriedens und des Kulturstandortes Halle durch duldende Passivität teil.“

Brenner listet nochmals alles auf, was zuletzt über die TOOH an die Öffentlichkeit gedrungen war: Die obskure Affäre um eine Morddrohung gegen die Opernleitung, die im Haus weitergleitet worden sei. Das Statement des Betriebsrats, der Rosinski eine massive Störung des Betriebsfriedens vorwarf, weil dieser eine Mobbing-Affäre, bei der es um die Weiterleitung eines Nacktfotos einer Mitarbeiterin innerhalb TOOH ging, öffentlich falsch dargestellt habe. Den seltsamen Vorgang, dass eine Wikipedia-Mitarbeiterin und persönliche Bekannte Rosinskis, die zuvor Wikipedia-Einträge über Rosinski, Florian Lutz und Matthias Brenner in Rosinskis Sinne geändert hatte, von Rosinski in der Öffentlichkeitsarbeit der TOOH eingestellt wurde. Es ist eben jene Frau, die sich wegen des Nacktfotos gemobbt fühlte und die TOOH nach wenigen Tagen wieder verließ. Dem MDR sagte sie über Rosinski, er habe „kein wirkliches Feingefühl“, was Menschen angeht, sondern gehe „wie ein Baggerführer“ vor.

Doch der der Aufsichtsrat will weiter abwarten. Der Schaden für das Ansehen der Bühnen Halle und der ganzen Stadt ist immens.