Adolphe Binders Kündigung in Wuppertal ist unwirksam

Von Andreas Falentin am 21.08.2019 • Bild: Annette Hauschild/OSTKREUZ
Das Bild zeigt: Adolphe Binder 2018

„Es gibt Urteile, von denen man weiß, dass sie eigentlich keiner der beiden Seiten weiterhelfen.“ Das sagte Alexander Schneider, Richter am Landesarbeitsgericht Düsseldorf gestern anlässlich seines Urteils zugunsten von Adolphe Binder, der ehemaligen und – nach dieser Entscheidung  – aktuellen künstlerischen Intendantin des Tanztheaters Wuppertal (TTW) Pina Bausch. Im Juli 2018 war Binder auf Betreiben des damaligen Geschäftsführers Dirk Hesse fristlos gekündigt worden. Da dies ohne überzeugende Gründe oder gar Beweise von Fehlverhalten erfolgte, kann der Ausgang des Verfahrens eigentlich niemanden überraschen.

Die Stadt Wuppertal arbeitet zwar inzwischen nicht mehr mit dem intriganten Geschäftsführer Hesse und hat auch die fragwürdige Führungsstruktur des Tanztheaters korrigiert: Bettina Wagner-Bargelt, die als Binders Nachfolgerin eingesetzt wurde, arbeitet auf Augenhöhe mit ihrem Geschäftsführer und ist ihm nicht, wie Binder seinerzeit, unterstellt. Dennoch steht die Stadt jetzt mit zwei Intendantinnen für eine Institution da und muss sich der Frage stellen, warum sie die teilweise durchaus anrüchigen Vorgänge rund um Binders Entlassung, in die auch hochrangige Lokalpolitiker wie etwa Kulturdezernent Matthias Nocke involviert waren, bisher in keiner Weise aufgearbeitet hat. Erst jetzt, über ein Jahr nach dem Vorgang, hat der eigentlich als theateraffin bekannte Oberbürgermeister Andreas Mücke, eine interne Verwaltungsprüfung angeordnet. Jetzt wird vielleicht endlich offiziell werden, wer genau gezielt Indiskretionen in der Presse gestreut hat oder warum eine vollkommen fachfremde Mediatorin bestellt wurde, die zudem mit Hesse zu sympathisieren schien.

So erweist sich also das einleitende Zitat als zumindest teilweise unzutreffend. Adolphe Binders Ruf ist wiederhergestellt. Ihre Weigerung, sich finanziell abfinden zu lassen, beeindruckt. Und in den zuständigen Gremien der Stadt scheinen endlich Selbstreinigungsprozesse in Gang zu kommen. Dennoch gibt es einen Leidtragenden: Das Tanztheater Wuppertal.