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Ein Japaner im Walzerfieber Toshiyuki Kamioka dirigiert eine hinreißende “Fledermaus” in Wuppertal Rasant, fast atemlos wirft sich das Orchester in die Ouvertüre. Dann schwelgt es in elegischen Melodien. Das Zusammenspiel von attackierender Energie und hemmungsloser Hingabe machen den Rausch der Wiener Operette aus. Wuppertals Generalmusikdirektor Toshiyuki Kamioka hat dafür das perfekte Gespür. Wenige Dirigenten können so lebendig und mitreißend Operette dirigieren, Stefan Soltesz in Essen gehört noch dazu. Doch bei Soltesz in Ungarn geboren, in Wien ausgebildet ist das keine Überraschung. Der Japaner Kamioka nimmt die Partitur so ernst wie eine große Oper, lässt die Melodien leuchten, arbeitet die Anspielungen und den feinen musikalischen Humor heraus, pointiert die Details ohne sich in ihnen zu verlieren. Allein das Sinfonieorchester Wuppertal ist das Eintrittsgeld wert. Die Hauptrollen sind erstklassig besetzt, mit jungen, frischen Stimmen. Kay Stiefermann singt den betrogenen Betrüger Gabriel von Eisenstein mit noblem, beweglichem Bariton, der im Augenblick der Wut heldisches Format bekommt. Ähnlich geschmeidig und voluminös gestaltet Katerina Sokolova-Rauer seine erotischen Verführungen ebenfalls nicht ganz abholde Gattin Rosalinde. Und Elena Fink geht als spritziges Kammerkätzchen Adele nach einer Singpause die Koloraturen noch etwas vorsichtig an, gewinnt aber im Laufe des Abends an Sicherheit. In den mittleren Partien gibt es kleine Abstriche, Edgardo Zayas müht sich sehr als Tenorkarikatur Alfred, und auch Stefanie Schaefer kommt als dekadenter Prinz Orlofsky nicht immer präsent über den Graben. Aber insgesamt ist die Wuppertaler “Fledermaus” ein musikalisches Glanzstück. Was für Niels-Peter Rudolphs Inszenierung nicht gilt. Zwar hat der Ex-Intendant des Hamburger Schauspielhauses einige gute Ideen. Dem boulevardesken ersten Akt nimmt Rudolph die Albernheit, in dem er die stark gekürzten Dialoge in Mikrofone frontal zum Publikum sprechen lässt wie in einer Hörspielaufnahme. So gewinnt die Aufführung an Distanz, ohne den Witz zu verlieren. Doch das Konzept erschöpft sich schnell. Zur Riesenfete beim Prinz Orlofsky fährt Kostümbildnerin Erika Landertinger groteske Garderobe auf, die wie nachgemachter Fellini aussieht spitze Trichterbrüste, zerfledderte Reifröcke, Fantasiefrisuren. Der Chor sitzt an Tischen mit roten Lämpchen wie in einer Singlebar. Da kommt wenig Stimmung auf. Die Polka wird von Wuppertaler Breakdancern in der Choreographie von Tanztheater-Legende Johann Kresnik getanzt, ein schöner Einfall. Doch mit überlangen und weitgehend witzlosen Monologen des versoffenen Gefängniswärters Frosch fällt das Niveau wieder ab. Ulrich Kuhlmann macht aus der Paraderolle eine schlappe, rheinische Dialektnummer. Doch die “Fledermaus” ist durch eine unausgegorene Regie nicht kaputtzukriegen, das Publikum feierte die Sänger und vor allem den Dirigenten Toshiyuki Kamioka, den Japaner mit dem wunderbaren Walzerfeeling. |
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