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Auf den Hund gekommen „A Dog’s Heart“ von Alexander Raskatov in Amsterdam Sind die Traumata des Stalinismus noch ein Theaterthema für ein konsumbeseeltes oder von neu-differenziertem Feinsinn ergriffenes Publikum? Pierre Audi, als Regisseur gegen edle Einfalt und stillen Kitsch nicht gefeit, hat als Direktor von de nederlandse opera ins Rote getroffen. Sein Auftrag an den aus Russland stammenden, inzwischen in Paris lebenden Alexander Raskatov hat ein Werk gezeitigt, das nicht (wie Alfred Schnittkes 1992 ebenfalls in Amsterdam uraufgeführtes „Life With an Idiot“) wegen des beschädigten Lebens wütet, sondern eine ironische und vielfältig gebrochene Annäherung an die wohl noch lange nicht umfassend „bewältigbare“ Thematik suchte und fand. Raskatov bediente sich einer Schlüsselgeschichte von Michail Bulgakow (das Gespür fürs Groteske und das parodistische Parodie könnte er ererbt haben: der Vater des 1953 geborenen Komponisten war Redakteur des Moskauer Magazins „Krokodil“). Bulgakows Erzählung „Hundeherz“ handelt von einem Straßenköter, dem ein singuläres Glück widerfährt: Er glaubt, das Paradies auf Erden zu erlangen, indem ihn ein prominenter Medizin-Professor aufsammelt, in seiner Moskauer Wohnung beherbergt und verköstigt, allerdings wird der arme Hund zu einem medizinischen Versuch ge- und missbraucht. Und die Versuchsanordnung gerät außer Kontrolle. Der italienische Theatermann Cesare Mazzoni arrangierte aus dem 1925 entstandenen Text, in dem sich die Konsolidierung des jungen Sowjet-Regimes ironisch spiegelt, 16 Szenen. Die pfefferte Raskatov mit einem weithin turbulenten und grellfarbenen Tonsatz. Er schien für diese Aufgabe nachgerade prädestiniert: Seine Hundemusik kann zucken, knurren, winseln, wedeln, bellen und die Zuhörer mit den sprichwörtlichen Hundeaugen der scheinbaren Naivität anblicken. Die Vermenschlichung der Töle und die Verhundung des Russen zeigt Simon McBurney brillant in der mit surrealen Momenten und realistischen Versatzstücken spielenden Ausstattung von Michael Levines. Der deutet z.B. das hochherrschaftliche Domizil durch eine hohe Wand mit einer hohen Tür an, deren Klinke so hoch angebracht ist, dass das Stubenmädchen Zina immer ein wenig hochspringen muss, um sie niederdrücken zu können. Sie macht das allerliebst, diese Perle, der Nancy Allen Lundy die leicht zur Hysterie tendierende Stimme verleiht. So, wie Sergei Leiferkus die Medizin-Koryphäe mit autoritärer Würde ausstattet und seine guten Beziehungen zur Nr. 1 im Staat gegen übereifrige Revoluzzer souverän ausspielt. Einfach hunderbar! |
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