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Totales Theater um Mozart Das Theater Augsburg überrascht mit einem ganz „anderen“ Mozart Augsburg und Mozart? Ja klar, Amadeus und sein „Bäsle“ samt „Sauschwanz“-Briefen, dann die Geburtsstadt von Vater Leopold… all das muss zum „Mozart-Fest 2010“ zu mehr als einem Beitrag des Theaters der Stadt führen. Den einen lieferte GMD Dirk Kaftan mit einem speziellem Konzert und das Theater bot die Überraschung einer Deutschen Erstaufführung. „I hate Mozart Ich hasse Mozart“ klingt zunächst nicht nach einem feierlichen Beitrag, doch es wurde eine theatralische Feier des unsterblichen Theatralikers Mozart. Anders als die meisten heutigen Komponisten hat Mozart ja jeweils eine enge Beziehung zu den Theater seiner Zeit gepflegt und für die jeweiligen Ensembles hinzu- oder umkomponiert. Und genau diese sich bis heute wiederholenden „theatralischen Beziehungen“ legt Michael Sturmingers Libretto offen. Der eitel egozentrische, international ausgezeichnete Dirigent (italienisch radebrechend und gekonnt wichtigtuerisch Christian Tschelebiew), seine vielfach betrogene Sopran-Star-Gattin (berechnend giftig Kerstin Descher) und die osteuropäische Sopran-Entdeckung (anfangs reizend naiv, dann beginnend selbstbewusst Cathrin Lange) und die bislang zurückgesetzte, alleinerziehende Mezzosopranistin (klangschön Stephanie Hampel) bilden dabei ein erotisch schwurbelndes Zentrum. Um sie kreisen dann noch ein trotteliger Intendant, ein schwuler Tenor, ein zum Agenten mutierter Ex-Sänger, eine nie richtig zur Regie-Arbeit kommende Assistentin, ein Sprechblasen absondernder Staatssekretär, ein frustierter Korrepetitor, ein sensationsgeiler Journalist, weitere Sänger und Theaterleute und zwölf Chorsolisten (Bravo!), die mal instrumental, mal vokal für „Hintergrund“ sorgen. Davor kann sich dann das schauerlich-schöne Panopktikum von erotischer „Künstlerförderung“, Ehekrise, Eifersucht, Intrigen, Versagensängsten, Verlogenheiten, Hoffnungen und Eitelkeiten entfalten. Am Ende triumphierten dennoch Mozart, die Künstler und das Theater. Denn Intendantin Juliane Votteler hat als Dramaturgin dem Regisseur Freo Majer ideenreich zugearbeitet. Zusammen mit Bühnenbildner Alfred Peter haben sie uns Theaterliebhaber einen Akt lang auf die Bühne, also hinter das Orchester und inmitten der erst vorsingenden, dann probenden Künstler gesetzt und dieser Perspektivenwechsel ließ staunen und amüsierte. Nach der Pause erlebten wir als Publikum dann das Ende der vorher so umkämpften Premiere und es ist Librettist Sturminger, vor allem aber Komponist Bernhard Lang hoch anzurechnen, dass sie alles nicht irgendwie versöhnlich oder musikalisch grandios enden, sondern vorführen und hören lassen, was nach dem Erfolg kommt: dennoch Unzufriedenheit und Leere und das emotionale Loch. Lang hat die seit 200 Jahren andauernde Wiederkehr der Opern Mozarts in klanglichen Wiederholungsschleifen, in verfremdenden „Loops“ der bekannten Arien durch kleines Orchester, in Syntheziser-Klangflächen, Elektronik-Klängen im Surround-Sound und mehrmals in die Beine gehenden Rhythmen gestaltet: theatralisch überzeugend, dramatisch frech und oft witzig, von Dirigent Kevin Edusei zusammen mit Klangregisseur Andreas Füg beeindruckend umgesetzte. In guter Lichtregie stellten sich mal die Faszination der Musik, mal die Banalität, immer wieder aber auch der Zauber des Theaters von und um Mozart ein. Da nur 400 Plätze auf der Bühne zu Verfügung stehen, mag der Applaus des dann nur halbbesetzten Parketts am Ende dünner geklungen haben, doch wenn nicht alles täuscht: erst überrascht zögerlich, dann animiert und amüsiert. Doch für alle Theaterfreunde auch außerhalb Augsburgs kann die „400“ nur heißen: sofort Karten sichern! Bernhard Lang: I hate Mozart |
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