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Blut und Pendel Rebecca Horn versucht sich in Wiesbaden an Richard Strauss‘ und Hugo von Hofmannsthals „Elektra“ Rebecca Horn ist eine der bedeutendsten deutschen Gegenwarts-Künstlerinnen. In einem Metier, das sich so eindeutig gar nicht beschreiben lässt, zu dem aber die kühne Grenzgängerei gehört. Sie okkupiert Räum mit Bewegung, Objekten und Farben und fasziniert mit ihren Kreationen immer wieder. Vor zwei Jahren wagte sie bei den Salzburger Festspielen ihren ersten Ausflug ins Musiktheater. Ihre subtilen Bebilderung von Sciarrinos der Stille abgetrotzten Komposition „Luci mie traditrici“ in einem sakralen Raum war vielversprechend. In Wiesbaden gab es jetzt zur Eröffnung der traditionsreichen 114. Maifestspiele dazu mit Elektra sozusagen das musikalische Kontrastprogramm. Die Bühne beherrscht ein großes abstraktes Projektionsbild und verändert sich mal unmerklich, mal abrupt durch Schüttungen. Damit schafft sie zwar Atmosphäre, illustriert aber vor allem. So wie der bedeutungsschwangere, unermüdlich pendelnde Riesenspeer oder die hereingetragene und an der Rampe platzierte Schale mit Blut. Diese Installation entfaltet durchaus ihren Reiz, doch das Musiktheater verlangt nach mehr. Da müssen nämlich vor allem Sänger geführt und nachvollziehbar zueinander in Beziehung gesetzt werden. Ihre Elektra ist zwar mit ausgestellt gehetzter, verzehrender Dauermotorik an der Rampe unterwegs und liefert händeringend, körperkrümmend und am Boden zuckend ein Resümee vieler Rampen-Elektras. Doch leider kann Lisa Livingston die großen Gesten stimmlich nicht beglaubigen, gerät mit angezogener Handbremse allzu oft ins Vokalisieren. Es bleibt Renée Morloc als Klytämnestra vorbehalten, jenes stimmliche Niveau zu präsentieren, das man sich für alle Protagonisten gewünscht hätte. Doch auch Morloc bekommt kaum Gelegenheit streitende Robustheit bis in die Gewissensqualen zu weiten, die sie als Gattenmörderin umtreiben. Bei Orest (Bernd Hofmann) und Aegisth (Eberhard Francesco Lorenz) streckt Horn gleich völlig die Waffen der Personenregie und lässt deren Auftritte quasi konzertant zwischen den durchweg erstaunlich simplen und unbeholfen arrangierten Auf- und Abgängen vorübergehen. Da wird dann auch die Musik des bis in die Proszeniumslogen aufgefächerten Orchesters unter Marc Piollet mehr zum dekorativen Rahmen und die Zuspitzungen zum Effekt. So gab es in Wiesbaden allenthalben mehr die orchestrale und stimmliche Klangwolke als wirklich packendes Musikdrama aus dem Graben und mehr das dekorative Blutbild als eine psychologisierende Tiefenlotung auf der Bühne. Musiktheater ist eben doch mehr als eine Installation mit Sängern. Der Beifall war in Wiesbaden war zwar einhellig, aber nicht wirklich begeistert. Richard Strauss: Elektra |
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