|
Neue Räume für neue Musik Tanz im Harenberg City-Center Dortmund: „element x“ beim Henze-Projekt von Ruhr2010 „Ich möchte mit meiner Musik gern bei den Menschen sein, aber bitte weit entfernt von konformistischen und tiefgründigen Clubs“, äußerte Hans Werner Henze in einem Interview. Diesen Gefallen tun ihm die Tanzschaffenden von NRW. Fünf Choreografen gehen im Rahmen des Henze-Projekts von RUHR2010 teilweise unkonventionelle Wege, Henzes Musik in Performances, szenische Bühnenkonzerte und zeitnah inszenierte Ballettaufführungen einzubinden. Durchaus innovativ darf man im Essener Aalto-Theater „Undine“, inszeniert und choreografiert von dem Belgier Stijn Celis, erwarten ebenso die jüngere Fassung des Mimodrams „Der Idiot“ nach Dostejewski, das Mark Sieczkarek mit Studierenden der Essener Folkwang-Tanzabteilung in Zusammenarbeit mit den Bochumer Symphonikern einstudiert. Publikumsnah unterhaltsam legt Ricardo Fernando in Hagen seinen „Molière“ an mit Henzes „Pulcinella“-Musik, ergänzt durch Szenen aus Rameaus „Le Bougeois Gentilhomme“. Die Liedersammlung „Voices“ hat Bernd Schindowski in Gelsenkirchen mit der szenischen Aufführung der fast kompletten 22-teiligen Folge als harmonisches Miteinander von Gesang und Bewegung auf der Bühne choreografiert. Den radikalsten Ansatz wagt Dortmunds Ballettchef Xin Peng Wang mit „element x“, seiner außergewöhnlichen Inszenierung im 18-stöckigen Verlagsgebäude des Harenberg City-Centers am Hauptbahnhof. Ihm geht es um Erkundungen neuer Räume, in denen Tänzer mit den Zuschauern auf Tuchfühlung gehen und Klänge neu wahrgenommen werden. Musikalisch schafft er raffinierte Gegenpole zwischen barocker und zeitgenössischer Musik (u.a. von David Bowie und Pink Floyd) vom Band. Nur in fünf intimeren Szenen in kleinen Sitzungs- und Vortragsräumen setzt er auf Sätze aus Henzes „Royal Winter Music“ für Sologitarre, live gespielt von Hans Werner Huppertz. Die anderthalb stündige Performance verlangt den Zuschauern Schwindelfreiheit, Stehvermögen und Flexibilität ab. Aber jede neue Szene bietet reizvolle Arrangements ob auf kleiner Tanzfläche im Foyer oder im steilen Halbrund des Amphisaales, auf den Brücken der Zwischengeschosse oder zwischen den Skulpturen des Vestibüls, im 18. Stockwerk mit Blick auf Bahn- und Auto-Verkehr oder im schummerigen Licht des Untergeschosses vor bunt beleuchteten Vitrinen, in denen die Tänzer sich schemenhaft bewegen. Xin Peng Wang: element_x |
|||