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Endzeitglanz In Stuttgart inszeniert Calixto Bieito Richard Wagners „Parsifal“ Bei Calixto Bieito wird das Bühnenweihfestspiel natürlich nicht als Hochamt der verqueren Kunstreligion Richard Wagners zelebriert. Der obsessive Deutungsfuror des Katalanen macht daraus ein dunkles Endzeitstück. Dass er eine Wagnerbüste unter die Insignien der Religionen mischt, mit denen Kundry Parsifal schließlich wie einen knallbunten Superjesus behängt, das ist nur eine kleine ironische Pointe. Sonst haben sie in dieser Welt längst alle Hoffnung fahren lassen. Der Gral ist der Restmüll einer postkatastrophischen Endzeit. Inspiriert von Cromac McCarthys „The Road“ vegetieren unter einer zerstörten Autobahnbrücke, die Susanne Gschwender im Nichts enden und immer weiter verfallen lässt, verrohte Underdogs dahin. Gurnemanz (Stephen Milling) kann sich zwar noch ein halbes Dutzend Engelchen herbei suggerieren, prügelt einen von ihnen aber mit priesterlichem Riemen zu Tode. Nicht nur Bieito weiß da mittlerweile nur zu gut, wovon er redet. Für die Gralsenthüllung setzt Gurnemanz den langhaarigen, smarten Eindringling Parsifal (charismatisch und mit Strahlkraft: Andrew Richards) unter Drogen und greift selbst, völlig desillusioniert, zur Flasche. Dieses Ritual wird einem in kraftvoller Pose leidenden Amfortas (mit eher rebellischer als leidender Vehemenz: Gregg Baker) abgetrotzt. Es mündet in einer beklemmenden Demonstration: „Wo ist Gott?“ oder „Erlöse mich“ fragen und fordern sie in allen möglichen Sprachen. Klingsor dann kommt mit dem Flammenwerfer und spielt auch sonst mit dem Feuer. Claudio Otelli changiert zwischen Opfer seiner selbst und Täter wenn er mit Kundry (Christiane Iven mit rückhaltlosem Einsatz) einen Geschlechterkampf kämpft, für den ihm nach seiner Selbstkastration die Waffen fehlen. Er muss sich von ihr erniedrigen lassen, ist aber dennoch der exemplarische männliche Täter. Seine Blumenmädchen sind missbrauchte, früh alt gewordene Frauen, mit zugepflasterten Körpern unter ihren Pelzmänteln. Bislang ist es wohl kaum je in einem „Parsifal“ so trostlos, nachtschwarz und jenseits zivilisatorischer Restbestände und zugleich so körperlich sinnlich zugegangen wie bei Bieito. Am Ende dann ist Parsifal als neuer König nackt, und lässt sich in eine gänzlich ungewisse, wohl aber gottlose Zukunft tragen. Nur eine hochschwangere Kundry bleibt allein zurück. Manfred Honeck gehört zu den eher flotteren Parsifal-Dirigenten. Dass er mehr auf einen zugespitzten, nach außen gekehrten Katastrophensound und weniger auf die nach innen gewendete Leidenserforschung setzt, passt zur beklemmend packenden Szene, auf der im Ganzen packend gespielt und großformatig gesungen wird. Richard Wagner: Parsifal |
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