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Die Wüste vibriert Christoph Marthaler inszeniert Beat Furrers „Wüstenbuch“ in Basel Sie sind voll des Kryptischen. Und doch lassen sich Beat Furrers musiktheatrale Arbeiten am ehesten als Übertragungen begreifen. So transportieren sie mit „Begehren“ (Graz 2003) und „Fama“ (Donaueschingen 2005) antikes Gedankengut, überführen fragmentierte Texte in klingende Gesten und damit nicht zuletzt Errungenschaften der Neuen Kammermusik in Bühnen-Kontexte, befassen sich intensiv mit der Überschreitung der Grenzlinie zwischen Leben und Tod. Für „Wüstenbuch“ stellte Händl Klaus aus lateinischen Sentenzen, Worten eines Papyrus-Textes und eigenem Material eine Vorlage bereit. Sie diente dem Komponisten und Dirigenten Furrer als „Geröllhalde“, durch die er sich hindurcharbeitete. Furrers melodramatische Komposition saugt das Textmaterial in sich auf, trocknet es weitgehend auf, bringt es tendenziell zum Verschwinden. Dass vom Abhandenkommen nicht nur die Rede ist, sondern dies eo ipso „komponiert“ sein wollte, ist bei einem „Wüstenbuch“ ein plausibler Grundgedanke: Die Wüste weht. Sie zeigt sich aber nur in (rück-)übertragener Weise. Zunächst steht da ein Mann im Unterhemd auf der Großen Bühne des Basler Theaters und schaut zum Fenster des linken Hotelzimmers hinaus. Schräg unter und vor ihm sitzen zehn Bläser, ein Streichquintett, der Klavier- und der Akkordeonspieler und zwei Schlagzeuger. Parallel zur introvertierten Klangrede des Namenlosen stockt das, was das kleine Orchester in Portionen beiträgt. Im Erdgeschoß, hinter den Instrumentalisten, beginnen mehrere Frauen einen Gänsemarsch quer über die Bühne. Die Installation, die Duri Bischoff ins Musicaltheater Basel setzte, nahm an einem orientalischen Hotel der günstigeren Preisklasse Maß. Christoph Marthaler nutzte diese Betonwüste: trocken-zugig geht es und mit viel Flageolett vorwärts. Die Inszenierung sorgt nachdrücklich dafür, dass die Einsamkeit und die Ängste der Frauen drastisch zu unmittelbarem Ausdruck kommen. Zu fahlen hohen Haltetönen der Musiker kratzen sie sich die Köpfe und schütteln die Haare. Die Wüste bebt oder vibriert wenigstens. Beat Furrer: Wüstenbuch |
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