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Wohin gehen? Wohin? Die Uraufführung von Nader Mashayekhis „Neda Der Ruf“ in Osnabrück Es ist eine Arbeit fürs Musiktheater mit latentem Verkündigungscharakter: „Neda Der Ruf“ angefangen vom Auftritt der Paradies-Jungfrauen in der ersten Szene. Der Titel der Oper verweist auf den aktuellen iranischen Schrei nach Freiheit vom Mullah-Regime und der Frauennamen im Titel auf eine im vergangenen Jahr auf offener Straße von „Sicherheitskräften“ in Teheran ermordete Studentin. Im Stück selbst taucht Neda nicht mehr auf die Handlung kreist um den altpersischen Dichter Nizami: Dem, so das Libretto von Nadja Kayali und Angelika Messner, tritt einer seiner Fans aus dem Hochadel die leibeigene Apak ab. Die Haremsdame spricht jedoch erklärtermaßen nicht auf Männer an. Der von Macho-Männern umstellte Nizami behandelt sie mit Verständnis und Respekt. Die Sopranistin Anja Meyer scheint die Gleichstellung nun in Osnabrück mit ihrer stolzen und entschiedenen Stimme auch wie selbstverständlich einzufordern. Groß ist die Verzweiflung des Poeten, den der sensibel und soft wirkende Marco Vassalli verkörpert, als Apak stirbt (an ihrem Tod tragen wohl „die Männer“ Schuld). Den Kummer sucht Nizami durch Schreiben zu verarbeiten: Zu ihrem Gedächtnis literarisiert er Figuren wie die Amazonenkönigin Nuschabe, die keine Männer an ihrem Hof duldete Eva Schneidereit singt ihre Partie mit wuchtigem Vergnügen. Der Phantasie des Dichters entspringt auch jene durch Schiller, Busoni und Puccini berühmt gemachte Chinesen-Prinzessin Turandot, die ihre Freier umbringen lässt, bis endlich der kommt, der Hintersinn und Struktur ihrer Fragerei durchschaut. Regisseurin Carin Marquardt inszeniert das alles sehr holzschnittartig. Überhaupt erinnert die Produktion mitunter an das Lehrstück- und Agitprop-Theater eines vergangenen Jahrhunderts. Nader Mashayekhi, der nach 28 Jahren im Wiener Exil kürzlich wieder in den Iran zurückkehrte, um am Wiederaufbau eines auch mit westlicher Musik befassten Musiklebens mitzuwirken, hat zu Nizamis Welt einen wechselhaftem Soundtrack entwickelt, um den sich der Dirigent Daniel Inbal in Osnabrück mit aller gebotenen Aufmerksamkeit kümmert. Mashayekhi entwickelt seine kapellmeistererfahrene Melange aus der Adaption traditioneller orientalischer Musik, entfaltet eine homophone und heterophone Lineatur, bedient sich beim Orchestergewebe verschiedener Muster der westlichen Avantgarde (und wohl am massivsten bei den Partituren Roman Haubenstock-Ramatis und György Ligetis). Dass sie dergestalt kompiliert, ist guter Brauch der Theatermusik. Nader Mashayekhis: Neda Der Ruf |
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