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Komik und Grausen George Taboris „Mein Kampf“ im Theater der jungen Welt Adolf Hitler muss erst mal lernen, wie man ordentlich ein Zimmer betritt. Also schickt Schlomo Herzl ihn immer wieder durch die Tür zum Klo, bis er nicht nur anklopft, sondern auch auf das „Herein!“ wartet. In solchen Szenen mischen sich Komik und Grausen, kann man doch nicht umhin, an das Spätere zu denken, was der Lehrling Sachen Umgangsformen sein wird. Aber Jürgen Zielinski, der an seinem Theater der Jungen Welt George Taboris Farce „Mein Kampf“ inszeniert hat, nimmt dieses Spätere kaum einmal vorweg, der Zuschauer muss es mitdenken. Entstanden ist so eine atmosphärisch dichte Inszenierung für Zuschauer ab 16, die als Aufführung für Schulen und als Abendvorstellung gespielt wird. Bühnenbildnerin Olga von Wahl nutzt die ganze Breite und Tiefe der variablen Bühne, um „Frau Merschmeyers Männerheim“ in Wien zu zeigen: enge, übereinandergestapelte Schlafkojen, einzelne Betten, Tisch, Stuhl, Spiegel. Hier denkt Schlomo Herzl (Stephan Wolf-Schönburg) darüber nach, ob er seine Memoiren „Mein Kampf“ nennen soll, da marschiert ein linkischer, schmächtiger Mann in das Asyl. Mit Koffer, Staffelei, Bildermappe beladen, will dieser Adolf Hitler (Sven Reese) an der Wiener Kunstakademie reüssieren. Und Schlomo hilft, wo er kann: leiht seinen Mantel, näht einen Knopf an die kurze Hose, die Hitler zu langen Unterhosen trägt. Und er, ausgerechnet, stutzt den Schnauzer zum typischen Zahnbürstenbärtchen. So ist dieser Hitler eine komische, aber nie eine Witzfigur, schon gar nicht, wenn er nach dem Reinfall an der Akademie nun die ganze Welt für sich haben will. Und langsam setzt Zielinski Zeichen: Da saust über die Köpfe der Zuschauer eine Schweinehälfte in eine Art Schlachthaustür. Gretchen (Anna-Lena Zühlke) wird vom düsteren Chor bedrängt und gefedert. Und ein SS-Mann erklärt das fachmännische Zerlegen eines Huhns er tue doch auch nur seine Pflicht. Da kriecht dann in dieses schäbige Männerasyl leise, ohne aufzutrumpfen, das Grausen, bis oben, wo bislang eine Cellistin saß, Stiefel aufmarschieren. Knapp drei Theaterstunden mit viel Stoff zum Nachdenken. George Tabori: Mein Kampf |
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