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Zwischen Melodramatik und Hitchcock Donizettis „Emilia di Liverpool“ in Nürnberg Schon die Urne auf dem Souffleurkasten, die umkränzt im Scheinwerfer-Spot den Beginn der Aufführung erwartet, gibt die Stimmungslage dieser späten Deutschland-Premiere von Donizettis „Emilia di Liverpool“ vor. In Andreas Baeslers Nürnberger Inszenierung, die durch einige Bearbeitungsgriffe fast schon als Uraufführung gelten kann, wird der Behälter mit den Resten einer bereits in der Vorgeschichte zum Drama gramgebeugt verstorbenen Mutter vor der allerletzten Ruhe noch ein wenig im Kreislauf des Lebens herumgereicht. Immer wieder greifen die Figuren während ihrer Arien danach und es gehört zu den größeren Überraschungen der heftig um Gags ringenden Aufführung, dass sich der Urnen-Deckel nicht zum Duett öffnet. Es ist eine unentwirrbare Story um wunderliche Zufälle, unter denen Opfer und Täter aus aller Welt in einer englischen Einsiedelei (hier umgewidmet zur britischen Nervenklinik) stranden. Man kann sie nicht ernst nehmen, auch wenn es von der Test-Phantasie des jungen Donizetti an einigen Musik-Stellen so gemeint ist. Was er in seinen späteren Meisterwerken ausgereizt hat, deutet sich hier, in den Nischen der steifbeinig operettigen Dialog-Form, manchmal mit genialischem Blitz in viel Klischee-Gerappel an. Baesler ging offensiv damit um, bezog sich einerseits auf Alfred Hitchcock (was man am holzgetäfelten Salon, der Blondinen-Perücke der Titelheldin und einem mächtigen Doppelkinn als Schattenwurf erkennt), pumpte in den kalauernden Hängebrücken-Wortschwall (wo ein Vorläufer von Don Pasquale hessisch babbelt, obwohl er Spanier mit Wahlheimat Sizilien ist) ironisierte Kino-Bilder und hielt sicherheitshalber neben dem Hinweis auf die Kunst des „Film noir“ noch ein paar Leasing-Pointen mehr als Stützen bereit vom Wedel-Gang der Marx-Brothers bis zum Stolper-Teppich der Miss Sophie. Trotzdem stellt er dann, wenn es die Töne verlangen, auch mal Melodramatik wie ein Mahnmal hin. Einfach so, als Behauptung. Das ist gar nicht ungeschickt, wie er da eine Limousine durch die Wände der Nervenklinik brettern lässt und so der Absurdität der Gaga-Handlung ein Bild gibt, aber interessant wird die Geschichte dadurch auch nicht. Guido Johannes Rumstadt, der in Nürnberg derzeit am Opernpult dominiert, kann den unfertigen Donizetti auch nicht eleganter machen als er damals war, spitzt aber immer wieder so zu, dass Kenner und Liebhaber verzückt ein Trailer-Angebot mit Kollegen-Ausblick bis hin zu Rossini registrieren. Gesungen wird nicht ganz mühelos, wobei Haus-Star Hrachuhi Bassenz mit ihrer finalen Arie den Durchbruch zur Lammermoor-Dimension fast hinkriegt. |
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