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Arktische Kälte per Media-Mix Einen Roman in ein funktionierendes Theaterstück umzusetzen, ist immer ein Spiel mit dem Feuer. Für den Zuschauer bleibt freilich die Spannung: Epik zu Dramatik, wie wird die Verwandlung aussehen? Christian Georg Fuchs startete am Theater Naumburg den Versuch, den griffigen Bestseller „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ in der Fassung von Armin Petras und Juliane Koepp in die dramatische Form zu packen. Dass ihm dies gemeinsam mit den Ausstattern Mila van Daag und Felix Obée gelang, ist vor allem dem wilden Medien-Mix von Projektionen, akustischen Einspielungen und dem Camcorder-Einsatz zu verdanken. Es hätte nicht mehr davon sein dürfen, doch bloße Effekthascherei, die dem Einsatz solcher Medien im Theater oft nachgesagt wird, kann der Naumburger Inszenierung nicht vorgeworfen werden. Stadtpläne, tektonische Karten, Computertomografien flimmern über eine mehrteilige Schiebetür aus Milchglas, die mitunter die gesamte Bühne verschließt, damit Distanz schafft und die einzige Liebesszene milchig-surreal als verzehrten Film ablaufen lässt. Die ständig verschobenen Fensterteile entscheiden darüber, was der Zuschauer zu sehen oder eben doch nur zu hören bekommt. Ansonsten ist das Bühnenbild ein Zeugnis gelebter Unterdrückung: Stereoanlage, Fernseher, Telefon und einige lose Pappkisten. Mehr braucht Smilla nicht. Hier ist zwar ihre Wohnung aber nicht ihr zu Hause. Hier findet ihr Leben im Exil statt. In der erfolgreichen Romanvorlage des Dänen Peter Høeg, Anfang der 90er Jahre erschienen, rutscht die Figur Smillas weit hinter dem Thriller zurück. Bereits in der Bühnenfassung und von Fuchs noch stärker positioniert, bildet Smilla das perfekte Zentrum im bunten Karussell der Einspielungen und flackernden Bilder. Smilla, die Entwurzelte, die Außenseiterein, die Extremistin wurde von Daniela Gießler - so kühl wie Eis und so rational wie Mathematik - im alleinigen Kraftakt eindrucksvoll bewältig. Weitere Figuren traten sporadisch auf, wurden per Mausklick eingespielt und drohten anfänglich ins Lächerliche abzudriften. So die steife und mit unschuldiger Stimme vortragende „Braut Christi“ (Kathrin Blüchert) und der durchgeknallte Vater (Tobias Weishaupt), die zwar einige Lacher brachten, die jedoch nicht nötig waren, denn das Drama kommt auch ohne sie aus. Christian Georg Fuchs: Fräulein Smillas Gespür für Schnee |
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