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Strawinsky brav bebildert Mit seinem Feuervogel wurde Igor Strawinsky 1910 über Nacht berühmt. Dazu angestiftet hatte Sergej Diaghilew den jungen Komponisten, der in Folge noch zahlreiche weitere Stücke für dessen Ballets Russes sowie andere Theater schuf. Gut 20 Bühnenkompositionen sollten bis 1957 zusammenkommen: Opern, Ballette, Mischformen. Ein Großteil davon wird bis heute immer wieder neu einstudiert. Nach Regensburg, wo Olaf Schmidt im vergangenen November seinen Doppelabend „Pulcinella Feuervogel“ präsentiert hatte, lud nun Augsburg zur Strawinsky Trilogie mit „Pulcinella“ (1920), „Geschichte vom Soldaten“ (1918) und „Les Noces“ (1923) in die Komödie ein. Die Ausarbeitung des gesamten Abends hatte Ballettchef Robert Conn in die Hände des Italieners Gaetano Posterino gelegt bekannt aus seiner Wiesbadener Zeit, wo er 2005/06 eine Reihe „Zeitgenössischer Tanz“ ins Leben rief. Ihm zur Seite standen für Bühne und Videodesign Marcel Keller und Michael Titze. Die unterschiedlichen Kostüme entwarf Angelo Alberto. An Strawinsky muss Posterino das rhythmische Feuerwerk gepackt haben, das seinen Werken innewohnt. Dagegen tänzerisch anzukommen, versuchte er in Pulcinella zur für Violine (redlich bemüht: Agnes Malich) und Klavier (Adi Bar) reduzierten „Suite Italienne“ aus dem Jahr 1933 mit akademisch fundiertem Spitzentanz, Pirouetten und für die Enge der Bühne erstaunlichen Sprungkombinationen. Seine insgesamt fünf Paare schlugen sich vor filmisch rauchendem Vulkan beachtlich, zeigten, was sie technisch drauf haben und scheiterten im Gelingen einzig an der unklar erzählten Handlung aus Liebe, Eifersucht und Happy End. Für Letzteres schob der Choreograf Frank Lippes Bearbeitung der Tarantella Calabrese nach, vermischte den Einsatz von Schellentrommeln mit Can Can-Allüren und bürdete seinen Interpreten gewollte Heiterkeit auf, die ächzte und knarzte. Applaus gab’s trotzdem, auch für die folgende Geschichte vom Soldaten. Hier wiederum ging die Rechnung der eingekürzten, live von sieben Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters Augsburg begleiteten Adaption nicht auf, weil Erzähler André Willmund allzu sehr zum munteren Alleinunterhalter tendierte. Bewegungstechnisch neoklassisch-modern, durften Andrii Lytvynenko in der Titelrolle und sein körperlich wunderbar präsenter Gegenspieler Abel Cruz dos Santos (Teufel) wenig mehr als den Text eins zu eins illustrieren. In kurzen Momenten von bis zu fünf weiteren Tänzern unterstützt (darunter Natalia Fioroni als Prinzessin) taten sie dies auf einfache, simpel-findige und für jedermann leicht verständliche Weise. Doch aller guten Dinge sind drei und sowohl stilistisch wie auch von der inhaltlichen Auslegung her überzeugte Gaetano Posterino zu guter Letzt ausgerechnet mit dem heikelsten Werk: Les Noces. Die Grundidee seiner Version ist das Ritual, das Braut (Lucyna Zwolinska) und Bräutigam (Dejan Kolarov) zu durchlaufen haben, bevor sie vereint werden. Glück spielt hierbei wie übrigens in den meisten Einstudierungen seit Bronislawa Nijinska keine große Rolle. Weitaus wichtiger ist die gesellschaftliche Einbettung und Bindung zu bzw. Trennung von den Eltern. Profunde Aspekte, die aufflackern, wenn z. B. Janet Sartore als Brautmutter zwischen das junge Paar tritt, um von der Tochter nicht ohne Schmerz und Erinnerungen Abschied zu nehmen. Ihre Bewegungen fesselten das Auge, während Körper und Musik dynamisch verschmolzen. Gaetano Posterino: Strawinsky Trilogie. Pulcinella, Geschichte vom Soldaten, Les Noces |
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