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Kleist-Soap im Plattenbau Christian Weise verformt „Die Familie Schroffenstein“ in Dessau Man(n) geht zum Rauchen auf den Balkon, aber dort draußen kann man auch blutspritzend Feinde erschlagen. Die Familie sitzt trauernd um den Fernseher, aber die Männer schmieden schon Rachepläne gegen die, die den Sohn ermordet haben sollen und von denen sie nur eine Wand trennt. Christian Weise (Regie und Bühne) und sein Team haben am Anhaltischen Theater Dessau Kleists frühes Trauerspiel „Die Familie Schroffenstein“ aus der Burg geholt und in die biedere Enge eines Plattenbaus gesteckt. Auf der Hinterbühne sind, wie ein Riegel, zwei nebeneinander liegende Wohnzimmer aufgestellt, nur ein schmaler Flur trennt sie. Links wohnen die Rossnitz, rechts die Warwands. In beiden Räumen läuft der Fernseher, man guckt dieselbe Krimiserie, doch sonst haben die Sippen nichts gemein, außer ihrem Hass aufeinander. Den lässt Regisseur Weise zunächst mit unveränderter Kleistscher Wortwucht aufeinandertreffen, dann wird auf dem Balkon und im Flur gemetzelt, schließlich jagen Kapuzentypen in Lederjacken die Treppen rauf und in die Wohnung rein. Hier trägt niemand Schwert, sondern die Knarre im Hosenbund und Anzug-Ritter gibt’s nur auf putzigen Holz-Steckenpferdchen. Die Inszenierung bedient sich zwar bei der Fernseh-Soap, aber nur gebremst, mehr Hinweis als plakatives Ausspielen. Und so kommt dieses wirrungsreiche, nicht immer logische Stück auch im Plattenbau als Tragödie daher, als Drama zweier Familien, die vielleicht nicht genau wissen, warum sie hassen, dies aber umso inbrünstiger. Am deutlichsten und erschreckendsten vielleicht zu sehen beim Romeo-und-Julia-Paar Agnes und Ottokar (Ines Schiller und Jan Kersjes spielen das sehr intensiv): Die haben sich in einem Gerstenfeld vorm Haus mit Bierkasten und Fernseher ihren Ort geschaffen, in dem sie keine Feinde sein müssen. Doch irgendwann müssen sie aus dem Idyll zurück in die Enge der elterlichen Wohnzimmer. Heinrich von Kleist: Die Familie Schroffenstein |
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