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Ein toter Traum stinkt nun mal Wie das so ist mit den guten Vorsätzen zur perfekten Lebensplanung: Entweder man ist sich selbst im Wege, oder andere übernehmen das für einen. Da ist der Abschluss so nah, doch auch die letzte Prüfung ist leicht vergeigt, wenn die falschen Freunde plötzlich auf der Matte stehen und sich partylüstern und rauschhungrig im Sofa festsetzen. So scheint Nicks gutbürgerlicher Traum vom anstehenden Bankerjob inklusive BMW zunächst verpufft. Denn statt die letzten Tage vorm alles entscheidenden Test zu büffeln, durchlebt der sonst so Brave mit seinen alten Kumpanen Martin und Katja einer Woche voll Rausch, Spieltrieb, Nacht und ungewöhnlich hell aufgehender Sonnen. Dass die beiden so plötzlich aufgetauchten Freunde nicht lustige Spielchen, sondern knallharte Ziele mit Nick verfolgen, wird schnell klar... Die Kleine Bühne (im Foyer des Großen Schauspielhauses) ist idealer Ort für den 2004 in Köln uraufgeführten Text von Jan Neumann, der vom Schauspieler mittlerweile zum gefragten zeitgenössischen Dramatiker avanciert ist. Seine temporeichen Texte leben erst auf der Bühne; in Chemnitz wird das überdeutlich. Die gelungene Inszenierung von Matthias Huber, Dramaturg und Regisseur am Haus, fliegt von einer Szene in die nächste, jeder Übergang im rhythmisch-dröhnenden Black läuft perfekt getimt auf der nahezu leeren Bühne (Ausstattung: Daniela Flügge). Lediglich ein cremefarbenes Sofa, mittig, dient mal als Ruhepol beim Kiffen, oder als drehendes Zentrum der Aktionen in dieser zeitlos wegfließenden Partywoche. Erst Strebertyp, dann Partyhengst: Nikolaus Barton hat als Nick sichtlich Spaß an dieser Wandlung. Auch seine fast kindliche Naivität nimmt man dem Brillenträger fraglos ab. Bis er seine Goldfische an die Wand nagelt, denn tote Träume müsse man sich vergegenwärtigen auch wenn sie irgendwann stinken. Davon überzeugen ihn Martin und Katja. Auch diese beiden sind trefflich besetzt: Urs Rechn als der muskelstrotzende Fiesling, der dem Leben nichts geben will und scheinbar auch nichts von ihm erwartet. Und Caroline Junghanns als seine ergebene Freundin, deren Ideale schwanken zwischen berechnendem Beine-breit-machen und dem Traum vom bürgerlichen Leben mit Schrebergarten und Familie. Was im Showdown dann noch Spiel und was Ernst ist, zerfasert. Aber genau darum geht es, denn die Beteiligten selbst haben längst alle Fäden verloren. Oder sie nie zu ziehen gelernt. Ein Abend, der enorm Spaß macht, und vergeht wie ein guter Rausch. Jan Neumann: goldfischen |
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