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Sinn und Sinnlichkeit Nacho Duatos Bach-Ballett feiert beim Bayerischen Staatsballett Premiere Der Titel könnte sperriger nicht sein: „Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere“. Nichts daran lässt jenen soghaften Bewegungsfluss erahnen, der Nacho Duatos im Jahr 1999 für seine Compañia Nacional de Danza in Kooperation mit Weimar kreierten Zweiteiler zu einer Collage aus Kompositionen von Johann Sebastian Bach so überaus reizvoll macht. Und dem Bayerischen Staatsballett anlässlich der Premiere am 23. Dezember 2009 einen gefälligen Tanzabend bescherte, der einer ganzen Riege junger Corps de ballet-Tänzerinnen und Tänzer die Chance bot, sich solistisch zu präsentieren. Dass die Musik dazu vom Band kam, ist der enormen Stück-Palette von Klaviervariationen über Cellosonaten bis hin zu großen Konzerten, Kantaten oder Orgelwerken gezollt aber auch Duatos (nicht durchweg nachvollziehbarer) Vorliebe für ganz bestimmte Einspielungen. Sie sind der fixe Klangteppich für seine choreografischen Ideen, die im Stückverlauf keineswegs stringent mal biografischen Allusionen, mal der Partitur selbst entsprungen scheinen. So purzeln anfangs die Tänzer in schwarzen Trikots von rechts und links auf die Bühne, bis Bach himself (Marlon Dino) in fescher Barockaufmachung vortritt und ihnen in Maestro-Manier den Takt schlägt. Wenig später vereint er sich mit Giuliana Bottini zum Duett: der Komponist und sein Cello beim kreativen Akt. Und weiter geht es fast möchte man sagen „im Galopp“. Schlag auf Schlag, ganz dem Motto Vielfältigkeit entsprechend. Da wischen und jagen sie über die Bühne, zwei Männer in Reifrockkorsagen, behände Frauen in langen Röcken oder sechs Burschen, die ihre (Streicher-)Bögen zum Fechtduell erheben. Wie raffiniert der aus Valencia stammende Choreograf dabei auch die Raumtiefe bespielt, offenbart der zweite Blick aus einem der Ränge. Vor allem Jiří Kylián und das Netherlands Dans Theater haben ihn geprägt das verraten viele Momente. Dennoch schafft es Duato auf seine, mit einem Hauch Athletismus versetzte Art und Weise, immer wieder neue Stimmungen heraufzubeschwören. Die Musik, obwohl stets eins zu eins übersetzt, fließt regelrecht die Diagonalen und Linien entlang, durch die Körper der Tänzer hindurch. Doch die personifizierte Muse Musik (mit weißer Maske im Gesicht: Silvia Confalonieri) ist nicht immer willig. Im Wirbel der Gefühle geht auch mal ein Bogen zu Bruch. Wobei wir bei den wenigen narrativen Passagen des Abends wären. Nach der Pause kulminieren diese im Tod des Meisters. Das Ensemble, nun auf sich allein gestellt, besteigt zu einem letzten Bewegungsspiel Jaafar Chalabis an ein Notensystem gemahnendes Gerüst. Weitaus tragender gelingt Duato der Übergang vom ersten zum zweiten Teil. Mittels einer schlichten Reihe, die sich teilt und zu neuer Ordnung findet, holt er von einer Formation der Ruhe aus zu einer furios in Szene gesetzten Orgel-Toccata für sieben, in länge Rockmäntel gehüllte Männer. Dann aber enttäuscht Formen von Stille und Leere: Statt neuer Wendungen versinkt der Rest in zunehmender Düsternis. Nacho Duatos: Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere |
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