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Liedgut zwischen Tom Waits und der „Zauberflöte“

Franz Wittenbrinks „Die Lobbyisten“ in Dresden
Von Ute Grundmann

„Die gute alte Oststruktur macht heute beste Westfigur.“ So frohlockt Lutz-Uwe (Ahmad Mesgarha), ein „Mann mit Kontakten“, dem auch das Telefonverwanzen noch gut von der Hand geht. Nicht so gut steht es um Vertreter Karl (Benjamin Höppner), der im „Hotel Kötzschenbroda“ mal die Liebe fand und verlor und dem nur die Bar geblieben ist. Solche Typen versammelt Franz Wittenbrink in seinem neuen musikalischen Abend, der am Staatsschauspiel Dresden uraufgeführt wurde. Der heißt zwar „Die Lobbyisten“, hat aber nichts mit Politikflüsterern zu tun, sondern mit Menschen im Hotel, die an der „Rezeption/Bar“ gestrandet sind und sich Liebes- und Lebensleid von der Seele singen.

Doch trotz DDR- und Wende-Anspielungen ist das kein politischer Abend, trotz Geschichten von Verlierern und Verlorenen kein Stück mit Tiefgang. Es geht darum, zu jeder Situation das passende Lied zu singen, ohne gesprochene Texte dazwischen. Und so folgt auf das bejubelte „Hotel Kötzschenbroda“ Frank Schöbels „Wie ein Stern“, Ella Fitzgerald passt ebenso rein wie Deichkind oder Tom Waits, sogar ein Stückchen „Zauberflöte“ kommt unter. Und dann ist da noch Omi (wunderbar: Ursula Geyer-Hopfe), die Liedgut darbringt, das sie immer schon gesungen hat, egal ob unter Kaiser Wilhelm, Rosa Luxemburg oder Adolf Hitler. Tochter Renate (Helga Werner) schickt Lutz-Uwe, der ihr Hotel haben will, ein deftiges „Er war schon immer ein Schwein“ hinterher. Und Enkelin Sandra (Mila Dargies) reimt „Brasil“ auf „Kiel“, bloß um rauszukommen. Doch Wittenbrink, der inszeniert und selbst am Klavier der kleinen Combo sitzt, reiht nicht nur Lied an Lied, sondern auch Gag an Gag. Und die sind eher aus der Holzhammerfraktion (der auch zum Einsatz kommt): Natürlich fällt mehr als einer in den gesperrten Fahrstuhlschacht, kämpft der Hotelpage mit zu vielen Koffern. Und natürlich kippt auch das Kanzlerinnen-Bild aus dem Rahmen und dahinter kommen Honecker, Stalin zum Vorschein... Das Ensemble singt und spielt das wunderbar (nur Hannes Hellmann als „Bisnissmann“ bleibt blass), kann aber die Löcher und Oberflächlichkeit nicht überdecken.


Franz Wittenbrink: Die Lobbyisten. Ein musikalischer Abend im Hotel
Staatsschauspiel Dresden. Uraufführung: 30.12.2009
Informationen und Termine: www.staatsschauspiel-dresden.de