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Endzeitstimmung zwischen Kleiderständern

Theresia Walsers „Herrenbestatter“ im Nationaltheater Mannheim
Von Volker Oesterreich

„Mittwoch steht man ja auch oft so da“, näselt Herr Ellenbeck in sich hinein. Es ist sein letzter Arbeitstag in der Herrenabteilung eines großen Kaufhauses. Vorzeitig wird er in den Ruhestand abgeschoben, weil die Geschäfte nicht mehr so laufen wie früher. Die Körpersprache des begnadeten Schauspielers Peter Rühring signalisiert dabei ein großes klagendes Fragezeichen. Warum trifft die Krise ausgerechnet mich?, scheint Herr Ellenbeck zu denken. Und warum hat die Geschäftsleitung ausgerechnet diesen jungen Schnösel angestellt, der sich Herr Lenz nennt (Sven Prietz), wortreich leeres Marketingstroh drischt, obwohl doch Endzeitstimmung herrscht zwischen den Kleiderständern und Einbauregalen, in denen sich die Ladenhüter stapeln (Bühnenbild: Florian Etti).

In diesem Ambiente steigt mit „Herrenbestatter“ bereits die dritte Uraufführung eines Theresia-Walser-Stücks im Nationaltheater Mannheim (nach „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“ und „Monsun im April“). Der Mannheimer Schauspiel-Chef Burkhard C. Kosminski sorgt in seiner weitgehend realistisch angelegten Inszenierung dafür, dass die schwarzhumorige Boulevard-Mechanik des Stücks immer schön weiter rotiert – ganz so wie die Kaufhausdrehtür am linken Bühnenrand, durch die nach und nach doch noch ein paar durchgeknallte Kunden kommen, zum Beispiel die schräge Alte, gespielt vom Mannheimer Publikumsliebling Gabriela Badura, oder eine verhuschte junge Frau (Jenny König), die einen Anzug für ihren gestorbenen Vater kaufen möchte, damit er in Würde bestattet werden kann. All das wird von einem ominösen Herrn Fürth beäugt, der als Investor in den maroden Laden eingestiegen ist. Als Testkunde probiert er sogar eine Hose an und kämpft mit dem klemmenden Reißverschluss, woraus Reinhard Mahlberg eine veritable Slapstick-Nummer macht. Dass er mit einem neuen Verkaufkonzept das Ruder herumreißen wird, darf bezweifelt werden. Nicht zufällig heißt Herr Fürth genauso wie jene Stadt, in der gerade eine ganz bestimmte Quelle versiegt ist.

Ein bittersüßes Requiem auf den Kollaps der Konsumgesellschaft ist Theresia Walser mit diesem Stück geglückt. Durch ein gewisses Quantum Alltagswahnsinn versteht sie es, den Boulevard zu adeln.



Theresia Walser: Herrenbestatter
Nationaltheater Mannheim. Premiere: 18.12.2009
Informationen und Termine: www.nationaltheater-mannheim.de