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Bloß märchenhafte Bilder Dresdens Ballettdirektor Aaron S. Watkin choreografiert „Schwanensee“ Man wird einem „Schwanensee“ nicht vorwerfen, dass er romantisch ist. Aber man darf doch erwarten, dass das Märchen auch im ästhetischen Rahmen des klassischen Tanzes zumindest gedeutet wird. Die traumschöne Fassung, die Dresdens Ballettdirektor Aaron S. Watkin an der Semperoper herausgebracht hat, setzt aber dem Märchen noch ein Märchen drauf. Er hält sich choreografisch für die weißen Schwanenakte an Iwanow, für die Gesellschaftsbilder an Petipa. Doch im Gegensatz etwa zu der psychologisch raffinierten Deutung selbst des klassischen Ballett-Gottes Rudolf Nurejew zeigt er keinerlei Interesse daran, die Konstellationen menschlich zu motivieren. Stattdessen schiebt er in die erste Begegnung von Prinz und Odette am See eine komplizierte Pantomime ein, die Gründe für die Verzauberung Odettes durch Rotbart nachliefert und den Teich als Tränensee der Großmutter erklärt. Die merkwürdige Neigung des heiratsunwilligen Prinzen zu den androgynen Fabelwesen, ihre Funktion als Todesboten oder als Sublimation der im schwarzen Schwan Odile inkriminierten Triebe bleiben ungedeutet. Dabei hätten gerade die abstrahiert romantischen Bilder von Arne Walther, die sich an Schinkels Neogotik und Caspar David Friedrichs Baumskeletten vor Himmelsfarben orientieren, eine Interpretation nahegelegt, die mit den psychologischen Hintergründen des Idealismus, seines distanzierenden Frauenlobs und erotisierten Freundesideals umgeht. Auch die von David Coleman mit der großartigen Staatskapelle licht und funkelnd interpretierte Originalpartitur Tschaikowskys wäre geeignet für eine sensibel den vielfältigen inneren Beweggründen der Figuren nachgehende Choreografie. So aber bleibt der Petersburger Gast Vladimir Shishov als Siegfried nur ein kraftvoller Heber und Träger ohne allzu starke eigene Persönlichkeit. Und Oleg Klymyuk als Rotbart ist nicht Dämon und Verführer, sondern nur Vorführer seines schwarzen Lockvogels. Also fällt alles Interesse der zwiegestaltigen Schwanenprinzessin zu. Elena Vostrotina ist vor allem eine rassige Odile, auch wenn sie nicht alle Fouettés schafft. Für die zarte weiße Odette dürften ihre manchmal etwas zackigen Bewegungen noch etwas weicher werden. Bewundernswert bei ihr wie bei den präzise agierenden vier kleinen Schwänen und dem Damencorps ist vor allem die schwanenhals-grazile Armhaltung. Dresden hat ein vorzügliches Ballettensemble, doch Watkin sollte mutiger auf Aussage, nicht bloß auf märchenhafte Bilder dringen. Aaron S. Watkin nach Marius Petipa und Lew Iwanow: Schwanensee |
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