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Risse im Gefüge der inneren Sicherheit Uraufführung von Jan Neumanns „Fundament" am Schauspiel Stuttgart Die Drehbühne zappt einen von Szene zu Szene: In Wohnzimmeratmosphäre sitzen die Zuschauer mitten auf der eigentlichen Spielfläche des Depot-Theaters, während die fünf Schauspieler darum herum oder im Parkett agieren. Thomas Goerge hat mit kargen, einfachen Mitteln einen antiillusionistischen, aber aussagekräftigen, die Fantasie herausfordernden Raum für „Fundament" entworfen. Die Ausstattung passt gut zu dieser gemeinsam mit dem Ensemble kreierten Stückentwicklung Jan Neumanns für das Schauspiel Stuttgart, die der Autor selbst inszeniert hat. Denn aus den vom Zeitverlauf her verschachtelt, im Wechsel von Prosa und Drama erzählten sieben Kapiteln dieser Uraufführung muss der Zuschauer sich in der Vorstellung auch seine eigene Geschichte zimmern. Nicht zuletzt spiegelt die fragmentierte Struktur sinnfällig die Thematik des Stücks. Es geht um die Brüchigkeit rein materialistischer Lebensentwürfe im postmodernen Einerlei der Philosophien und Religionen. Der politisch engagierte Student auf der Suche nach der richtigen Botschaft (Matthias Kelle), der Werbeagenturchef und Gutmensch (Sebastian Röhrle), die Mutter im Spagat zwischen Familie und Beruf (Lisa Wildmann), die gut situierte Singlefrau mittleren Alters (Stephanie Schönfeld), der von der Religion enttäuschte Frührentner (Bijan Zamani): Sie alle werden damit konfrontiert, dass ihrem äußerlich wohlgeordneten Leben das Fundament fester innerer Überzeugungen, Ideale und Glaubenslehren fehlt. Durch einen Terroranschlag im Bahnhof werden die Schicksale der fünf Protagonisten miteinander verknüpft. Die Schauspieler verkörpern außer ihrer zentralen Figur verschiedene andere Rollen, wechseln versiert und glaubwürdig zwischen Prosavortrag und dialogischen Spielszenen, zwischen Stand-Up Comedy und psychologischer Figurenzeichnung. Jan Neumann ist ein guter Beobachter von Menschen und Alltag. Und er versteht es, das in eine poetisch durchwirkte Prosa, lebenspralle Szenen mit viel Situationskomik und schlagfertige, witzige Dialoge umzusetzen. Manchmal geht die Lust am Formulieren mit dem Autor durch. Nicht immer stimmt die Fallhöhe zwischen Kabarett und Tiefsinn, weil der Umschwung von realsatirischen Lebensbeschreibungen zu existenziellen Daseinsfragen nicht überzeugend vermittelt wird. Wie Jan Neumann und das Ensemble das abstrakte Thema von den verunsichernden Leerstellen fehlender innerer Verortung in Glaube, Werten und Lebenssinn so unterhaltsam wie nachdenklich und ernst anschaulich machen, wiegt jedoch die eine oder andere Schwäche des Stücks bei weitem auf. Jan Neumann: Fundament |
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