|
Atropa Tollhaus Europa Konstanze Lauterbach inszeniert im Theater Konstanz In „Atropa“ das ist der lateinische Name für die hochgiftige Tollkirsche erzählt der Niederländer Tom Lanoye die Geschichten aus dem trojanischen Krieg aus der Perspektive der betroffenen Frauen. Nur ein einziger Mann agiert in diesem dreiteiligen Stück, Agamemnon, der mit ständigen Reden, in die Originaltöne von Bush und seinem Minister Rumsfeld passgenau eingebaut sind, Gewalt rechtfertigt, um Frieden durch zu setzen. Lanoye übernimmt in seinem Spiel wesentliche Handlungsstrukturen aus den drei Tragödien „Iphigenie auf Aulis“ und „Die Troerinnen“ von Euripides, sowie „Agamemnon“ aus der „Orestie“ des Aischylos. Dabei nimmt das Stück die schlimmste aller Wendungen: der Feldherr bleibt am Leben, muss mit der Erinnerung an die Toten weiter leben, das Gift politischer Rhetorik, die im Namen eines kulturellen Sendungsbewusstseins die „asiatische Welt“ zerstörte, im Verstummen in Frage stellend… Mit diesem Stück konnte der Konstanzer Intendant Christoph Nix Konstanze Lauterbach als Regiegast in die kleine Stadt am Bodensee locken. In der Spiegelhalle, die Hans-Martin Scholder in ihren Mauerstrukturen belässt, baut er aus Ziegelsteinen einfache Grundmauern, die sich von Bild zu Bild verändern, wie auch der Bühnenboden: Von einem wellenartig strukturiertem Bühnentuch, über eine mit roten Wollbüscheln überdeckte Fläche, in der die Frauen in ihrer Trauer lauter Spuren hinterlassen bis hin zum nackten Bühnenboden im dritten Teil. Atmosphärisch unterstützt von der mit opernhaften Zitaten versehenen Musik von Achim Giesler lässt Konstanze Lauterbach ihre Inszenierung immer wieder in starken opernhaften Bildern von hoher Symbolkraft gipfeln. Dabei konzentriert sie sich in ihrer Regie ganz auf die Sprache, die in einfachen körperbetonten Bildern umgesetzt wird, wobei jede Figur kleine prägnante Eigenarten erhält. Das neunköpfige Frauenensemble agiert geschlossen, wobei die Gestaltung der Iphigenie der Jana Alexia Rödiger besonders anrührend gelingt. Suanne Böwe als Klytämnestra, Susi Wirth als naive Helena, Olga Strub als Hekabe, Sabrina Strehl als Andromache, Monika Vivell als Kassandra, Stefanje Meyer und Mieke Schymura als Chor entwickeln gemeinsam eine große Strahlkraft, gegen die es Odo Jergitsch als Agammenon sehr schwer hat. Er spielt den Biedermann, der stets Verständnis für seine brutalen Handlungen sucht, der sich dabei selbst zum Opfer stilisiert, der nicht aus eigenen Antrieben, sondern vorgeblich durch den kulturellen Auftrag gezwungen, die Welt zu beglücken versucht. Ein Quentchen weniger Biedermann, aber mehr Arroganz hätte der Rolle noch mehr Tiefgründigkeit gegeben. Tom Lanoye: Atropa Die Rache des Friedens |
||