|
Mit den Waffen der Komik „Theatrical Arsenal II" der Forsythe Company in Frankfurt Ein äußerst absurdes Panoptikum von schräg verkleideten Typen versammelt sich bei der jüngsten Uraufführung der Forsythe Company im Bockenheimer Depot in Frankfurt auf der Bühne. Nicht weniger bizarr sind die Situationen der Tanztheater-Nummernrevue „Theatrical Arsenal II". Wie William Forsythe früher das Ballettvokabular analysiert hat, hinterfragt er hier durch Zerlegung die Gegebenheiten des Theaters selbst. Es geht um Unterhaltungsformate und die Frage, ob nicht auch das Erhabene letztlich Komödie ist. Die vier Sprecher Dana Caspersen, David Kern, David Morrow und Freya Vass-Rhee sagen die Ausgangsituation für die jeweiligen Szenen an („This man, this sound and you"), kommentieren und steuern diese mit jandlschen Sprachspielereien und Popsong-Versatzstücken. Begleitet von Thom Willems' elektronischer Musik und Dietrich Krügers Video, erzählen die von Stephen Galloway in einen Mix aus Trainingsdress und Billigkarnevalkostüm gewandeten zwölf Tänzerinnen und Tänzer die Szenenanweisungen dann über die Bewegung weiter, betätigen sich wie Ander Zabala auch mal als Geräuschkünstler oder geben die plappernden Zappelphilippe. Den dramaturgischen Aufbau und das Zitieren von Popkultur kennt man schon aus der vorhergehenden, allerdings wesentlich stärkeren Forsythe-Produktion „I don't believe in outer space". Forsythes dem Tanztheater nahe Stücke beschreiben oftmals beklemmend die Entfremdung des Menschen in der globalisierten Welt. Das auf einer Installation von 2007 basierende Stück „Theatrical Arsenal II" dagegen ist sehr amüsant und witzig in seiner absonderlichen, völlig überzeichnenden Komik. Die technische Brillanz und darstellerische Kraft, mit der die Tänzer ihre Körper in die extremsten Bewegungsfolgen und Positionen schrauben, ist wie immer beeindruckend. Und in manchen Szenen führt der Tanz die Formelhaftigkeit von Kommunikationsmustern und Verhaltensweisen vor Augen. So wenn Cyril Baldy, Elizabeth Waterhouse und Yasutake Shimaji fast wie in einem Meg-Stuart-Stück gekünstelt gestikulierend daherstaksen und sich umarmen. Über die anderthalb Stunden der Aufführung hin macht sich jedoch das Gefühl breit, dass der sonst so klug entlarvende Tanz der Forsythe Company dieses Mal doch zu sehr an der Oberfläche entlang dümpelt, der Spaß an burlesken Albernheiten zum Selbstzweck wird. Und um blabla von Aussage zu unterscheiden, wäre die bessere Verständlichkeit manches englischen Textes hilfreich gewesen. „Das ist die Show, die euch zu Tode langweilt", wendet sich Dana Caspersen gegen Ende ans Publikum. Nein, gelangweilt haben wir uns überhaupt nicht. Aber wir haben auch schon nachhaltiger eindrucksvolle und in die Tiefe gehende Stücke der Forsythe Company gesehen. William Forsythe/The Forsythe Company: Theatrical Arsenal II |
||