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Die Banalität des Bösen Am Kasseler tif wird die Trash-Groteske „Killer Joe“ von Tracy Letts gezeigt Ein abgewrackter Wohnwagen mit Couchecke und Bett, dahinter die Folie einer Sommerhimmel-Idylle. Schon im Bühnenbild von Hannah Albrecht zeigen sich die Brüche auf befremdliche Weise, die der amerikanische Autor Tracy Letts in seinem Theaterstück „Killer Joe“ auf eine bös humorvolle Weise ausstellt. Montiert wird der American way of life, Verlierer und Ausgemusterte der Gesellschaft finden sich hier zum letzten Reigen. Den Kampf um ihre Existenz. Keiner wird gewinnen, Amoralität und Werteverlust zerstören selbst die letzten Familienbande. Der junge Cris (Aljoscha Langel) befindet sich in Geldnot, er zieht zu Vater (Enrique Keil), Stiefmutter (Anke Stedingk) und Schwester Dottie (Birte Leest). Ein Plan wird geboren: Die verhasste Mutter und Ex- Frau soll umgebracht werden, um an die Lebensversicherung heranzukommen. Killer Joe (Uwe Steinbruch) soll töten, doch der fordert im Voraus als Pfand die kindlich versponnene, zurückgebliebene Dottie ein. Regisseur Philipp Jeschek setzt am Kasseler tif die Trash-Groteske des Pulitzer- und Award-Preisträgers Tracy Letts mit schonungsloser Direktheit auf die Bühne. Radikal komödiantisch werden die Abgründe vorgeführt, man lacht, um gleich wieder still zu werden. Und wenn die fünf Schauspieler zwischen Mordplan, Sex, Suff und Ausweglosigkeit eben mal schnell zur Musik von den „Flintstones“ harmonisch zum Gruppenbild posieren, ist das wie ein höhnischer Abgesang auf eine zerbrechende Welt. Stück und Regie geben den Blick frei auf einen rauen und brutalen Mikrokosmos, ohne nach den Gründen und Ursachen zu fragen und können doch Innenwelten deutlich werden lassen. Birte Leest (betörend, wunderbar!) spielt in dieser bitterschwarzen Welt eine kleine Heilige, ein zerbrechliches Mädchen, das geopfert und vergewaltigt wird. Neben ihr brilliert Uwe Steinbruch als Killer Joe Cooper, ein eiskalter teuflischer Engel mit Hygienefimmel. Wie hier Theater Film- und Fernsehbilder zitiert und zugleich darüber hinausgeht, wie es mit der Banalität des Bösen spielt und mit der Beiläufigkeit des Erkennens auf ein tödliches Ende zusteuert, ist zwingend und verstörend zugleich. Tracy Letts; Killer Joe |
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