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Wozu das alles? Christoph Nußbaumeders „Terminator“ in der Casa am Schauspiel Essen Christoph Nußbaumeders Stück „Terminator“, jetzt in der Casa am Schauspiel Essen uraufgeführt, ist ein Jugendstück für vier Personen, aber die vier haben nur paarweise miteinander zu tun. Auf der einen Seite findet sich die 15-jährige Sonja mit dem 17-jährigen Ernst an einem unbekannten Ort wieder. Auf der anderen Seite spricht Frau Brandstetter, Anfang 30, mit dem 18-jährigen Tommy, einem Retorte-Star. Was vor dem Stück geschah: Normalteenie Sonja himmelt Retorte-Star Tommy an und missachtet Ernst, der sie verehrt. Deswegen erschießt Ernst sie und sich das ist die Ausgangssituation. Tommys Agent zahlt Frau Brandstetters Gespräche mit Tommy, sie ist aber weder Therapeutin noch Mutter einer Tommy anhimmelnden Tochter, sondern eine Art Fan. Weil sich das erst langsam zeigt, trägt eine geradezu kriminalistische Spannung das Stück bis zur Auflösung. Ab da wird es problematisch. Der Text handelt von Gefühlskälte, bietet aber kaum Fallhöhe. Das bedeutet für die Darsteller, dass sie das Stück erst „warmspielen” müssen. Aber warum sollte sich Sonja einem Jungen nähern, der sie erschossen hat? Natürlich macht sie das, es ist ja sonst niemand da, aber man fragt sich schon beim Lesen, warum und wo da der Wendepunkt sein soll. Kristina-Maria Peters gibt ihrer Sonja eine gesunde, unkomplizierte Ausstrahlung, und da Ernst der typische Uncoole ist, ziemlich freakig, tut Sonjas Normalität dem Ganzen sehr gut. In den Szenen mit dem anderen Paar schimmert tatsächlich in der ein oder anderen Replik durch, dass Frau Brandstetter psychologisch geschickt sein mag und es menschlich meint Judith van der Werff spielt sie verspannt: außen korrekt geschniegelt, innen das heillose Chaos und große Unreife. Was soll sie auch anderes spielen? Sich auf diese Tour und überhaupt einem Teenie-Star zu nähern (und sich übrigens gleichzeitig vor zu großer Nähe zu schützen), wie ihre Figur das macht, ist wohl kaum souverän. Tommy (Krunoslav Šebrek) versucht erst, sie sich durch harsche und direkte Sexualisierung der Unterhaltung von der Seele zu halten, möchte am Ende aber, dass sie wiederkommt warum nur. Sie hat ihm zugehört, das stimmt aber sie war ja nie von eigenen Interessen befreit. Gibt es in beiden Dialogen überhaupt ein vollkommen schlüssig nachvollziehbares Gegenstück zur Kälte? Was szenisch hergestellt werden könnte an Wärme und Nähe, dem widersprechen die Motivationen, die man den Figuren unterstellte, hätten sie hier nicht andere, kaum greifbare. Regisseurin Ines Habich versucht ansatzweise, die kaum bestehende Verbindung zwischen beiden Ebenen zu verstärken und lässt auch Raum, in dem Sonja und Ernst miteinander herumtoben können. Die letzten Szenen verschränkt sie ineinander, was den Eindruck aber kaum abschwächt, dass die ganze Sache einfach kein Ende nehmen will. Wirklich enttäuschend ist die letzte Wendung im Text: Ernst unterschreibt einen plötzlich auftauchenden „Vertrag” womit die Welt wieder in Ordnung ist. Am Ende fragt man sich mit Sonja: „Wozu hast du das Alles aufgeführt?” Christoph Nußbaumeder: Terminator |
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