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Krachende Belanglosigkeit Sebastian Hartmann inszeniert den „Kirschgarten“ in Leipzig Ein „Ohrstöpselautomat“ im Foyer bietet Schutz fürs Gehör bei einer zu erwartenden Ballerei. Ein Schutz gegen Langeweile ist leider nicht zu haben an diesem Abend, an dem Sebastian Hartmann Tschechows „Kirschgarten“ ins Leipziger Centraltheater bringt. Er will die Farce, die Komik in der Lethargie des russischen Adels am Vorabend der Revolution freilegen doch heraus kommt leider nur viel Lärm um wenig. Die Stückszenen werden mit anderen Tschechow-Texten gemischt, es gibt moralschwere Chor-Aufsagen, dazu improvisieren die Schauspieler mal über Kirschen im Glas, mal über einen sich lösenden Schnurrbart. Susanne Münzner hat ein himmelblaues Holzhäuschen auf die Bühne gebaut, aus dessen Garage zu Anfang ein Lada knattert, aus ihm quellen sämtliche Darsteller zum großen Tisch. Auf und an ihm wird in den folgenden vier Stunden natürlich Wodka getrunken, natürlich Kasatschok getanzt. Es wird viel Musik gemacht und unter viel Geschrei ein weißer Hund namens Anton begrüßt und geherzt, der zur Pause gehen darf. Der gute, alte Kirschgarten ist von lauter abgewrackten Freaks bevölkert, soll das wohl sagen, und damit das auch in der letzten Reihe ankommt, werden die Typen grell ausgestellt. Maximilian Brauer gibt den Tollpatsch (Kopf gegen die Tür, Daumen im Auge), Thomas Lawinky wieder mal den Irren, der Blumen, Sakko und Hut in Flammen setzt und einem „brennenden“ Stuntman zu einem effektvollen Auftritt verhilft. Die Frauen tragen immer neue, nette Kleidchen zu Highheels, und wenn Birgit Unterweger mal zu Bitterkeit unter Tränen kommt, muss sie bald drauf drastisch den sterbenden Schwan mimen. Man sieht weniger eine Inszenierung als die Versuche, was man mit einem Text noch alles anstellen kann. Heraus kommt krachende Belanglosigkeit. Anton Tschechow: Der Kirschgarten |
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