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Form und Wahnwitz Herbert Fritsch war lange Zeit Schauspieler an Castorfs Volksbühne. Vor drei Jahren hat er sich nach einem längeren Ablösungsprozess selbstständig gemacht, arbeitet seitdem als freier Regisseur, Bühnenbildner, Filmemacher und Medienkünstler. In Wiesbaden ist Ben Jonsons Lustspiel „Volpone“, oder wie Fritsch es nennt: „Herr Fuchs oder einfach: Volpone“, nach „Spielbank“ seine zweite Regiearbeit. Der Shakespeare-Zeitgenosse Jonson erzählt die bekannte Geschichte der betrogenen Betrüger. Volpone, der Fuchs, ein reicher Geizkragen in Venedig, lässt durch seinen Diener Mücke verbreiten, er sei todkrank und werde sein Vermögen seinem besten Freund vererben. Die Herren Geier, Rabe und Krähe rücken an, ihre Freundschaft durch Zuwendungen und teuere Geschenke zu beweisen. Dass am Ende der Schwindel auffliegt, ist Moral und Ziel des Stückes. Für Fritsch eine ideale Vorlage: Gnadenlos lässt er seine Komödienmaschine in immer rasenderem Crescendo auf den großen Knall zusteuern. Die Schauspieler sind Typen, wirken wie entfesselt, spielen virtuos Slapstick, sprechen in einem irrsinnigen Tempo, wobei sich besonders Wolfgang Böhm als Mücke hervortut. Aber die Aufführung ist mehr als nur ein Spaß, immer wieder blitzen Gier und Bosheit Volpones und seiner Freunde auf, und wenn Herr Krähe (Jörg Zirnstein) dem angeblich todkranken Fuchs (Rainer Kühn) seine Ehefrau (Eva-Maria Damasko) zu einem letzten Liebesdienst anbietet, der den finalen Schlaganfall auslösen soll, wird die ganze Hinterhältigkeit dieser Gesellschaft sichtbar. Die Inszenierung hat noch eine zweite Ebene, die der Aufführung eine unaufdringliche formale Strenge gibt. Sie dauert genau 111 Minuten, die Schauspieler können nicht improvisatorisch über die Stränge schlagen, sie sind auf diesen Ablauf eingeschworen. 111 Minuten nämlich dauert auch ein von Fritsch gedrehter Film, der auf der Rückwand der Bühne läuft. Man guckt wie in ein Aquarium, wo nicht Fische, sondern bunte Dreiecke, Vierecke, Kreuze oder Kleeblätter vorbeischweben, am Anfang wenige, dann immer mehr, bis sie in Pollock-artige abstrakte Chaos-Gebilde zerplatzen. Fritschs Komponist Ingo Günther hat auch den ersten Satz von Vivaldis „Winter“ auf 111 Minuten Klangteppich gedehnt mehr Verfremdung geht nicht. Ben Jonson: Herr Fuchs oder einfach: Volpone |
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