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Ein bisschen Frida...

Marguerite Donlons Ballett „Casa Azul – inspiriert von Frida Kahlo“ in Saarbrücken
Von Marieluise Jeitschko


Viva la vida“ waren die letzten, in roter Farbe mit einem Pinsel auf eine Frucht geschriebenen Worte der mexikanischen Malerin Frida Kahlo vor ihrem Tod im Juli 1954. Ihr mühseliges Leben endete dort, wo es 47 Jahre vorher begonnen hatte: in dem Blauen Haus ihrer Eltern, der legendären „Casa azul“ in Mexiko City. Auf zahllosen Bildern Kahlos ist es zu sehen, oftmals als Umrahmung ihres eigenen, eigenwillig markanten Konterfeis: überladen mit bunten Blumen, Vögeln, Schmetterlingen, Bildern, Nippes, Spiegeln, Möbeln. Ein Ort der Zuflucht und Geborgenheit, Spiegelbild aber auch der kindlichen Sehnsucht nach Fröhlichkeit und Lebensfreude der Deutsch-Mexikanerin – und Krankenzimmer für die Invalidin. Spätestens seit den Ausstellungen in den neunziger Jahren ist die extravagante Künstlerin auch hierzulande zum Mythos geworden.

Marguerite Donlon unternimmt in ihrem Ballett „eine Reise durch das Leben und Werk Frida Kahlos“ und zeigt vor allem die unbändige Lebenslust, das fröhliche Ambiente im Freundeskreis. Krankheit und politisches Engagement in der Kommunistischen Partei, Drogen- und Alkoholsucht, laszive außereheliche Beziehungen zu Männern und Frauen werden kaum gestreift. Viele Details und Anspielungen bleiben rätselhaft, aber kaum geheimnisvoll. Temperamentvolle Tanzfeste mit rassigen Trommelrhythmen und Liedern von Donlons Hauskomponisten Claas Willeke und dem Mexikaner Héctor Zamora (der Ehemann Diego darstellt und live zur Gitarre singt) im Wechsel mit kurzen, vorwiegend hellen Szenen ergeben eine temporeiche, unterhaltsame Choreografie von 80 Minuten. Wie in Johann Kresniks brutal-zärtlichem Bilderbogen „Frida Kahlo“ versuchen sich drei Tänzerinnen (Anna Altés Trenchs, Yamila Khodr und Meritxell Aumedes Molinero) an der schier unerschöpflich facettenreichen Persönlichkeit, zurechtgemacht und gekleidet, wie Kahlo sich selbst malte. Verglichen mit Kresniks Meisterwerk freilich bleibt der Nachgeschmack, bei Donlon nur „ein bisschen Frida“ erlebt zu haben.

Die Premiere fand im Rahmen des 2. Saarbrücker Tanzfestivals „n.o.w. dance saar“ statt, das viel eher den Adelstitel „Tanz-Festtage“ verdient hätte. Donlons Ballett wurde eingerahmt von zwei wahrlich exquisiten Gastspielen: der fulminanten Körperkunst der acht Random Dance Tänzer aus London in der hochdekorierten Choreografie „Entity“ von Wayne McGregor und „Le Jardin des Délices“ der Compagnie Blanca Li aus Paris, ergänzt durch das Jugendprojekt „Zukunft n.o.w.“.



Marguerite Donlon: Casa Azul
Saarländisches Staatstheater. Uraufführung: 09.10.2009
Informationen und Termine: www.saarlaendisches-staatstheater.de