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Pathetischer Erinnerungsraum Axel Richter inszeniert „Wälder“ von Wajdi Mouawad am Staatstheater Darmstadt Der 1968 im Libanon geborene frankokanadische Autor Wajdi Mouawad hatte in Deutschland mit „Verbrennungen“, dem zweiten Teil der Tetralogie „Das Blut der Versprechen“, einen großen Erfolg. Das Staatstheater Darmstadt brachte nun „Wälder“, den dritten Teil, zur deutschsprachigen Erstaufführung. Den Jubel, den „Wälder“ und der ganze Zyklus im Sommer dieses Jahres in Avignon ausgelöst haben, konnte man in Darmstadt nicht nachvollziehen. „Verbrennungen“ erzählte bei allem Motivreichtum eine einfache, aufwühlende Geschichte. Zwillinge, durch das Testament der Mutter in ein orientalisches Land geschickt, woher die Familie stammte, entdecken in dem durch den Bürgerkrieg zerrissenen Land, wie zerrissen durch Inzest und Mord auch ihre eigene Familie ist. In „Wälder“ erzählt Mouawad ein im Ansatz ähnliches Familiendrama. Die 16-jährige Loup, in Darmstadt ein resolutes Punkermädchen (Maika Troscheit), wird mit der Geschichte ihrer französisch-deutschen Familie konfrontiert, zurückgehend bis 1870. Sieben Generationen, verwickelt in Krieg und Zerstörung, Mord und Gewalt, Vergewaltigung und Inzest. Opfer sind vor allem und immer wieder die Frauen. Loup will das alles gar nicht so genau wissen und hat dabei sicher viele Zuschauer auf ihrer Seite. Am Ende aber bekennt sie sich zu ihrer Herkunft, akzeptiert die Bindung, sucht Versöhnung. Das personenreiche Stück wird nicht chronologisch erzählt, sondern voller Zeitsprünge, Zitate, Anspielungen und Symbole. Es gibt nur wenige unmittelbar dramatische Szenen, „Wälder“ hat epischen Charakter, meist berichten die Personen. Die Zeitgeschichte spielt hinein, die beiden Weltkriege, der Holocaust, aber im Zentrum stehen immer wieder die furchtbaren seelischen und körperlichen Verletzungen, die sich Menschen zufügen. Der Regisseur Axel Richter und der Bühnenbildner Klaus Noack haben nicht ohne Erfolg versucht, die Zuschauer durch dieses Labyrinth zu lotsen. Loup ist während des ganzen Stückes immer auf der Vorderbühne anwesend, dem Rechercheraum von heute, immer wieder kommt ein Paläontologe, der Historiker dieser Familiengeschichte, mit neuen Erkenntnissen. Die nicht ganz geöffnete Hauptbühne ist der Erinnerungsraum, in ihm fließen die Szenen assoziativ ineinander. Die 15 Schauspieler, die meisten in mehreren Rollen, werfen sich unerschrocken in den Strom der pathetischen und poetischen, aber auch langatmigen und nicht kitschfreien Texte. Die Bühne ist ein Ort der Zerstörung, hier könnte man auch die „Götterdämmerung“ aufführen. Wajdi Mouawad: Wälder |
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