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Parlieren zweier Herren Mit „Urfaust“ stellte sich das kleine Erfurter Schauspiel-Ensemble vor „Tut, tut“ muss die Marthe-Darstellerin Maria-Elisabeth Wey immer wieder machen, um den Telefonanruf zu simulieren, mit dem sie Gretchen mitteilen will, dass eine andere sich „betört“ habe. Doch meist erreicht sie nur den Anrufbeantworter. Das ist einer der ungeschickten Versuche, Goethes „Urfaust“ an jene Zuschauer heranzurücken, die wohl einen Großteil des Publikums stellen werden: jugendliche Schüler. Frank Voigtmann hat diesen „Urfaust“ im kleinen Studio des Theaters Erfurt inszeniert und Hannah Hamburger hat dazu eine aufgeschnittene Zimmer-Kiste auf die Bühne gestellt. Hier drin erwacht Faust (Jürgen Bierfreund) mit schwerem Kopf, den er an der Wand abstützt, um sein „Habe nun, ach“ zu sprechen. Mephisto (Reinhard Friedrich), auf dem Kistendach liegend, souffliert ihm höhnisch. Die Kiste wird auch zu Gretchens Zimmer, in dem sie züchtig hinterm Duschvorhang steht (der ihre Silhouette sehen lässt), als Faust und Mephisto ihr Reich erkunden. Und zum Lust-Spaziergang marschieren die beiden Pärchen immer um die Kiste rum. Einfälle hat die Inszenierung, aber leider kaum Spannung. Zwischen Faust und Mephisto, die wie zwei Seiten einer Medaille erscheinen, funkt es gar nicht, schon gar nicht teuflisch. Da parlieren sich einfach zwei ältere Herren (zum Teil undeutlich) durch die Welt. Maria-Elisabeth Wey hat mal Ansätze zur Doppelbödigkeit, wenn sie, gerade vom Tod ihres Mannes unterrichtet, ein Tränchen verdrückt und gleich drauf tänzelt und flirtet. Doch dann muss schnell wieder Eindeutiges her: Mephisto und Marthe lassen die Kistenwand rappeln, während Faust seinem Gretchen etwas zuflüstert. Paola Trieschmann war eine Woche vor der Premiere für eine erkrankte Schauspielerin eingesprungen. Ihr Gretchen ist sehr jung, oft schüchtern-bedruckst. Doch wenn sie Faust aggressiv-trotzig nach seiner Religion befragt und schließlich festgezurrt im Kerker steht, dann lässt sie etwas von dem Konflikt aufscheinen, um den es in diesem Stück gehen sollte. Johann Wolfgang Goethe: Urfaust |
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