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Da kann auch Deep Purple nichts retten... Die Eröffnungspremiere zur letzten Spielzeit, mit der Enrico Lübbe seine Chemnitzer Schauspieldirektion 2008 inszenierend antrat, überzeugte: „Endstation Sehnsucht“ war von Lübbe ausdrucksstark und konsequent gearbeitet im Schmerzreichtum seiner Protagonisten, eindrückliche Bilder blieben haften. Dieses Jahr bot sein Spielzeitstart wenig: einen „Urfaust“, dessen sinnfreie Reduktion uns nichts zu sagen hatte als dass Trieb und Gewalt die Welt regieren, Tiefgang hingegen schwer von gestern ist. Dieser knapp eine Stunde vor sich hin tröpfelnde Klassiker war in seiner Verstümmelung weder provokant noch spannend er war schlichtweg platt. Halbgewalkte Personenführung, kaum Interaktion der Beteiligten. Langeweile trotz Schnelligkeit und Lübbes inszenatorische Ideen arg beschränkt: starr ins Publikum monologisieren; unmotivierte, lineare Auf- und Abgänge und ein Deep Purple-Motiv, das jede dritte Szene auflöste. Und nackte Frauen. Wenn Faust ganz zu Beginn auf einmal ein Dutzend nackte Statistinnen wie Perückenpüppchen um sich aufgebaut sieht, und sich nach dem obligatorischen „Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?“ eine Ohrfeige nach der anderen abholt, dann erinnert man sich still und betrübt an Regisseure zurück, die mit Nacktheit auf der Bühne umzugehen wussten. Spätestens als sich die Szene mit der gleichen diesmal bekleideten Schar wiederholt, ist der Gag nur noch peinlich. Überhaupt entwickeln viele Aktionen ihre Peinlichkeit erst durch redundante Wiederholung oder Längen: Wenn Gretchen (Caroline Junghanns) auf der Blutlache ihres Fötus minutenlang ausrutscht oder wenn Faust (im Chemnitzer Ensemble nach wie vor grandios: Michael Pempelforth) im Schattenboxen seine Aggressionen gegen Mephisto (passabel arrogant: Dirk Lange) ablässt, sind das kurz mal starke Bilder, die sich leider völlig leerlaufen. Ein künstlerisches Detail trägt die hilflose Inszenierung: Michaela Barth hat der Bühne einen weißen Kubus verpasst, der drehend und je nach Lichteinfall eine unterschiedlich isolierte Faustsche Welt erschafft, deren Hintergrund aus nichts als weißer Leere besteht. Die schauspielerische Leistung lässt sich bei solch einer desaströsen Arbeit kaum angemessen würdigen, man spielt bemüht, doch die fehlende Motivation lässt sich nicht verbergen. Bleibt zu hoffen, dass Lübbe zu anfänglicher Sinnhaftigkeit zurückfindet oder lieber andere inszenieren lässt. Immerhin ist das Chemnitzer Schauspiel unter seiner Leitung sichtlich gesundet. |
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