|
Zeichentrick im Motel „Genie und Verbrechen“ als Sommertheater in Leipzig Ein heulender Indianer landet im Schrank. Die gekidnappte Köchin entpuppt sich als Gangster-Töchterlein. Und Verbrecher-Chefin Shirley geht nie ohne ihre Kalaschnikow aus, zärtlich „Kaschi“ genannt. Eine skurrile Truppe hat sich da im Wohnwagen vor dem Gohliser Schlösschen eingerichtet, um dem Leipziger Publikum ein Sommertheater der etwas anderen Art zu bringen. Keine heiter-leichte Komödie zeigt das Centraltheater, sondern eine ziemlich brachiale Farce um Möchtegern-Gangster, die nichts auf die Reihe kriegen: „Genie und Verbrechen“. George F. Walker hat‘s geschrieben, Frank Heibert wortwitzig übersetzt und Michael Schweighöfer führte Regie. Anne Hölzinger hat einen aufgeschnittenen Wohnwagen vors Schlösschen gestellt, dessen Enge allein schon für Lacher sorgt, wenn sich fünf Chaoten darin tummeln. Als da sind: Rolly (Thomas Lawinky) und Stevie (Paul Matzke), Kleinkriminelle mit Gewaltphobie. Sie haben kein Geld fürs Motel, weshalb ihnen der Sioux-Manager (Sebastian Sommerfeld) aufs Dach steigt. Eben dort steht bald auch Shirley (Nele Rosetz), Chefin der kleinen Gangster, die den letzten Job vergeigt haben: Statt ein Restaurant abzufackeln, schnappen sie sich die Köchin, die aber die Tochter des Bosses ist. Und diese Amanda (Lore Richter) gibt erst das Lolitachen, nimmt dann Kommando und Knarre in die Hand. Regie und Ensemble werfen so ziemlich alles in diese Theaterschlacht: Versprecher und Kalauer, planschen und duschen, Verfolgung mit Geheul, „Halt’s Maul!“-Brüllerei, Pistolen-Ladys, schreckhafte Kerle und ein leibhaftiges Pferd kommt auch noch vor. Dazu wird betont komisch gespielt und dabei mit Blick ins ziemlich stille Publikum kontrolliert, ob es auch funktioniert. Logik verabschiedet sich zugunsten der immer nächsten Überraschung, die Schauspieler versuchen 90 Minuten lang so schnell zu sein wie der Zeichentrickfilm, der im Motel-TV läuft. Funktioniert fast. George F. Walker: Genie und Verbrechen |
||