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Auf dem Arien-Karussell Riccardo Muti gräbt Niccolò Jommellis opera seria „Demofoonte“ aus Es ging wieder italienisch zu bei den Salzburger Pfingstfestspielen. Denn Riccardo Muti gab erneut den patriotischen Neapolitaner, präsentierte diesmal Niccolò Jommellis mehrfach überarbeitete opera seria „Demofoonte“ in der Version von 1770 mit dem von ihm gegründeten Jugendorchester „Luigi Cherubini“, samt einem Ensemble von erstaunlich Da-capo- und Koloratur-fitten jungen Sängern. Mit Jommellis (1714-1774) Variante des Metastasio-Librettos ist zwar kein neues musikalisches Weltreich zu entdecken. Es ist mehr ein Ausflug in eine schöne, obgleich wohl schon zu ihrer Zeit etwas altmodische Provinz der europäischen Musik. Die über drei Nettostunden Musik bestechen in ihrem ständigen Wechsel von Rezitativen und inniger Melodieentfaltung denn auch weniger als emotionale Achterbahn wie bei Händel oder bei Mozart. Der Abend dreht sich mehr wie ein Karussell der Arien, die den Sängern erhebliche Stimmartistik abverlangen. Die nutzen die Profilierungsmöglichkeiten weidlich: Angefangen vom russischen Tenor Dmitry Korchak, der als kraftvoll geschmeidiger königlicher Titelheld Demofoonte Mühe hat, die Balance von Staatsräson und Vaterliebe zu halten. Oder Josè Maria Lo Monaco, die beim jungen Timante erst den heimlichen Ehemann, dann den Bräutigam wider Willen, aber auch den vermeintlich inzestuösen Bruder und obendrein den vom lieto fine Geretteten glaubhaft machen muss. Am Ende kann er, jetzt ganz offiziell, in seine Beziehung zur schönen Dircea (Maria Grazia Schiavo) zurückkehren, wenn auch nicht mehr als Kronprinz. Den darf jetzt sein Bruder (Valentina Coladonato) übernehmen und gleich noch die fremde Prinzessin Creusa heiraten, die Eleonora Buratto mit dem entsprechenden Furor versieht. Der Counter Antonio Giovannini will als Vaterfigur seine Tochter dem Opfermesser entziehen, während sein Fachkollege Valer Barna-Sabadus seinen kurzen Auftritt als Kommandant der Wache in atemberaubender Höhe absolviert! Sage keiner, es gäbe keinen Nachwuchs fürs barocke Fach! Festivals wie Salzburg stehen solche Ausflüge in die Opernarchive im Grunde gut zu Gesicht. Dass Riccardo Muti dabei für eine Spielart italienischer Regieabstinenz sorgen würde, war nicht anders zu erwarten. Cesare Lievi beschränkt sich denn auch auf ein eher beiläufiges und allzu konventionelles Arrangement der Auf- und Abtritte. Damit verschenkt er nicht nur das Potenzial, das natürlich auch diese (über 70 Mal!) vertonte Metastasio-Vorlage mit ihrer abstrusen Verwechselungs-, Täuschungs- und Intrigenkombination bietet. Er macht auch nichts aus der Raumidee von Margherita Palli, die hinter einem romantischen Seebild den Blick in einen mit Säulen und diversen Ausblicken versehenen Raum freigibt, in dem vor allem das Oben und Untern gänzlich durcheinander geraten ist. Dieser metaphorische Zugang der Szene über einen romantischen Rahmen (den auch die Kostüme von Marina Luxardo stützen) fügt sich immerhin bruchlos zu dem musikalischen Zugang von Muti im Graben. Nach dem jahrzehntelangen und in der Breite erfolgreichen Übergang zur historischen Musizierweise hat es mittlerweile schon etwas von einer demonstrativen Verweigerung, wenn sich barocke Arienpracht und Melodienschwelgen nicht am aufgerauten alten Instrumentenklang reiben können, um ihre sinnlichen Funken zu schlagen, sondern wenn das Gefällige auch noch eine romantisch aufpolierte Glanzverpackung erhält. Für eine Verabredung auf später freilich ist diese Salzburger Pfingstausgrabung allemal gut. Vielleicht ja mit einem Regisseur, der Metastasio für den Stammvater des fortgesetzten TV-Soap-Unsinns von heute hält. Und mit einem Dirigenten und Orchester, die Lust auf eine instrumentale Zeitreise ins 18. Jahrhundert haben. Niccolò Jommelli; Demofonte, Premiere bei den Salzburger Pfingstfestspielen: 29. Mai 2009 |
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