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„Der Auftrag“ ist nicht erfüllt

Joachim Schlömer inszeniert Heiner Müllers „Der Auftrag“ am Düsseldorfer Schauspiel-haus
Von Michael Laages

Perfiderweise spielt die alte DDR ja immer noch mit in Heiner Müllers Texten fürs Theater; haltbar blieben die Defizite, die sich fast unausweichlich ergaben (und immer wieder er-geben) aus den Maskierungen, die Müller sich auferlegte nach der Rückkehr aus der DDR-internen Verbannung, der er nach der Uraufführung von „Die Umsiedlerin“ kurz nach Mauerbau 1961 unterlag. Noch in „Der Auftrag“ spielt Müller 1980 mit der Maske, wenn auch längst wieder offensiv im Kommentar zur Gegenwart der DDR: ein Experiment in Gedanken, intellektuelle Schmuggelware. Was aber wäre heute zu schmuggeln?

Auch Joachim Schlömer liefert keinen Nachweis dafür, dass Müller, und zwar gerade dieser, hier und heute gespielt werden müsste. Galloudec, Bauer aus der Bretagne, und Sasportas, einst schwarzer Sklave, landen auf Jamaica, um dort im Auftrag der Französischen Revolution einen Aufstand der Sklaven gegen die britischen Kolonialherren anzuzetteln. Dabei ist auch Debuisson, französischer Bürger, der Erfahrungen mit der Sklaverei hat: als Sohn aus reicher Sklavenhalter-Familie. Das politische Ziel eint das un-gleiche Trio nicht – nur Sasportas wird (auch ohne „Auftrag“ aus Paris, wo sich die Revolution in napoleonische Diktatur verwandelt) den Kampf für die Befreiung der Sklaven aufnehmen; und er wird sterben dafür. Galloudec folgt ihm, weil es sonst keine Perspektive gibt; Debuisson bleibt der Verräter, der er vielleicht immer war, lebt aber fort in allen staatstragenden Kompromissen nach der Revolution.

Schlömer erzählt die Story komplett, aber zeichenhaft karg. Prägendes Requisit ist eine Handwerker-Leiter, gut für Auf- und Abstieg, aber kaum wirklich genutzt; George Brassens singt das Lied vom Gorilla, während der „schwarze“ Sasportas sich für die weißen Herren zum Affen macht. Ein Musiker trommelt dämonisch auf elektrisch verstärken Stahl-seilen; Galloudec malt seine ersten Sätze weiß auf die schwarze Theater-Rückwand, liest sie dann aber auch noch vor. Debuisson verschwindet final in Untergrund und (vielleicht) Fegefeuer – denn er hinterlässt ein winziges Rauchwölkchen.

Klar – große Sätze bleiben, hier zelebriert vom kühl-konzentrierten Düsseldorfer Ensemble; für den berühmten Angst-und-Karriere-Monolog vom „Mann im Fahrstuhl“ stellt Schlömer den fabelhaften Michael Abendroth auf einen umgedrehten Scheuereimer; das heißt: jede Bewegung zerstört die Szene! Brillant ist das: aber wieder nur ein Zeichen; nirgends ein starker Zusammenhang. Der neue, frische, Zukunft stiftende Blick auf Müller bleibt aus; „Der Auftrag“ ist nicht erfüllt.

Heiner Müller: Der Auftrag
Düsseldorfer Schauspielhaus, Kleines Haus. Premiere: 5.6.2009
Informationen und Termine: www.duesseldorfer-schauspielhaus.de