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Arbeit, Sex und Politik

Elmar Goerden verknüpft drei Stücke von David Mamet zu einem satirischen Abend
Von Stefan Keim

David Mamet ist kein Wahrsager. Aber wer genau auf die Gegenwart blickt, beschreibt oft die Zukunft. 1983 wurde Mamets Wirtschaftskrimi „Glengarry Glen Ross“ uraufgeführt, bald verfilmt und auch auf deutschen Bühnen unter dem Titel „Hanglage Meerblick“ ein Hit.

In einem Wettbewerb am Rande des Wahnsinns verscheuern amerikanische Immobilienmakler wertlose Grundstücke. Der Kapitalismus macht sich selbstständig, entwickelt eine absurde Eigendynamik. Es geht um die Existenz, die beiden schlechtesten Verkäufer verlieren ihre Jobs, der Sieger bekommt einen Cadillac. Elmar Goerden hat dieses Stück nun in den Bochumer Kammerspielen inszeniert, als Start des fünfstündigen Mamet-Projektes „Work, Sex and Politics“.

Die Männer – weibliche Verkäufer gibt es nicht – schießen sich die Worte um die Ohren wie Maschinengewehrsalven. Wer nicht verbal zurück ballert, gerät schnell in die Defensive. Es geht um Adressen, möglichst viel versprechende Kunden. Wer Erfolg hat, kriegt die besten Chancen. Die unten befinden sich in einem Teufelskreis. Wie Shelly Levene, den Thomas Anzenhofer als Verwandten Willy Lomans in „Tod eines Handlungsreisenden“ verkörpert. Levene droht, schmeichelt, versucht Bestechungen und die Mitleidsnummer. Silvia Merlo und Ulf Stengl haben für alle drei Mamet-Stücke ein Einheitsbühnenbild entworfen, das jeden Realismus pulverisiert. Vorne bedeckt eine schwarzblaue Zeichnung Wand und Boden, in der sich je nach Laune ein wilder Grashügel oder eine Müllkippe erkennen lässt.

Das zweite Stück des Abends „Sexual Perversity in Chikago“ war 1974 eine provokante Abrechnung mit der sexuellen Revolution. Heute wirken die von barschen Zoten triefenden Dialoge völlig normal, auch Mamets grimmiger Blick auf die Unmöglichkeit der Liebe ist kein Aufreger mehr. Die Entfremdung der Menschen von ihrem eigenen Körper, ihren Bedürfnissen und Gefühlen taugt zur Diagnose unserer Gegenwart. Da wäre es schon wieder spannend, den in seinen erotischen Fantasien verstrickten Bernard (Sven Walser) nicht gleich als manischen Phantasten zu zeichnen. Oder der Beziehung zwischen seinem Freund Danny (Maximilian Stretsik) und der Kunststudentin Deborah (Sarah Franke) den Hauch einer Chance zu geben. Elmar Goerden zeichnet die Charaktere am Rande der Karikatur, was bei Mamet so angelegt ist. Aber spannender wäre es, die Rollen mit mehr Zwischentönen anzureichern. Marina Frenk gelingt das ausgezeichnet als Deborahs Freundin Joan.

Etwas in die Länge zieht sich dann das dritte Stück „November“, eine Satire auf einen abgehalfterten US-Präsidenten, der sich mit unverschämten Erpressungen vor der Abwahl ein paar Millionen auf die Seite schaffen will. Martin Rentzsch spielt diesen Charles Smith, hinter dem George W. Bush sichtbar wird, mit präzisem, trockenem Humor. Ein paar Striche hätten diesem Abend gut getan, doch das Bochumer Ensemble zeigt, dass mehr in ihm steckt als es das weitgehend profillose Erscheinungsbild des Hauses in den letzten Jahren vermuten lässt.

David Mamet: Work, Sex and Politics. Ein Projekt von Elmar Goerden
Schauspielhaus Bochum. Kammerspiele. Premiere: 4.4.09
Informationen und Termine: www.schauspielhausbochum.de