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Melde gehorsamst: Krieg ist blöd

Andrea Moses inszeniert Robert Kurkas „Der brave Soldat Schwejk“
Von Joachim Lange

Die sonst nicht gerade auf das Außergewöhnliche erpichte Oper Halle hat einen bemerkenswerten Spielzeitabschluss hinbekommen. Und das mit der Ausgrabung der selten gespielten Oper „Der brave Soldat Schwejk“ von Robert Kurka (1921-1957). Inhaltlich durchaus passend, aber nicht auf der Bühne des Opernhaus, sondern im Halleschen Volkspark. Das ist eine etwas marode Immobilie mit jeder Menge Tradition, vor allem der Arbeiterbewegung, vor allem aber kein Theater. Doch gute Kunst macht ja oft aus der Not eine Tugend. Und so wird die kaum gespielte Schwejk Oper des US-Amerikaners zunächst wie ein Wirtshausausflug zelebriert. Mit Biergartenbänken und -tischen fürs Publikum im Saal, einem Laufsteg übers kleine, nur mit Bläsern und Schlagwerk bestückte Orchester hin zu einem schrägen Zimmer auf der Bühne. Und mit einer Spielfläche mitten im Saal. Da herrscht Biergartengemütlichkeit mit Tresen und unter Girlanden. Da sitzen Männer beim Bier, die dann plötzlich von der Polizei aus dem Publikum geholt und zusammengetrieben werden (Bühne: Bernd Leistner, Kostüme: Christian Wiehle). Schwejk ist immer mittendrin. Als der sprichwörtliche Überlebenskünstler. Wegen amtlich beglaubigter Blödheit. Die gilt zumindest so lange, bis Wilhelm II. seine „gegen eine Welt von Feinden“ – Rede im O-Ton in den Saal plärrt. Da wird dann auch Schwejk eingezogen. Doch er nimmt das Absurde auch beim Militär wörtlich und laviert sich so allemal noch durch den größten Kriegs-Schlamassel. Wenn es los geht, dann stellt Schwejk sich hinten an. Und doch endet dieser komische Blick, der stellenweise an die Musterungsszene aus Thomas Manns Felix Krull erinnert, im Grauen.

Nach der Pause, in der draußen der Radetzky-Marsch geschmettert wird, kehrt das Publikum nämlich in ein Kriegs-Lazarett zurück. Da ist Schluss mit lustig. Andrea Moses und Dirigent Hans Rotman (der ja auch selbst Komponist ist) machen auch aus der Collage Form des Stückes eine Tugend. Sie reihen derbe Komik und drastische Bilder und vertrauen auf das assoziative Kurzzeit-Gedächtnis der Zuschauer, wenn es im Text „Auf nach Belgrad!“ heißt. Auch die groteske Szene mit Herrchen und Hund, Geliebter und Gehörntem (General) wird als Fronttheater erträglich.

Die Musik ist durchweg schmissige, eingängige Moderne und stets offen für den Zeitgeist. Auch schon mal Humtata mit Kurt Weill-Anleihen. Jedenfalls nie langweilig. Ein Jahr nach dem Tod des Komponisten 1958 in New York uraufgeführt, erinnert das Stück mitten im Kalten Krieg jedenfalls komisch tragisch, vor allem aber mahnend, an die Gefahr des Heißen!

Auf den sich wacker durch die Mordspartie des Schwejk kämpfenden Wojtek Alicca färbt dessen böhmische Gemütlichkeit mitunter schon zu sehr ab. Im Ensemble kann sich vor allem Gerd Vogel von seinem Stabsarztverschnitt bis zum Oberleutnant Lukasch, der sich aus Verzweiflung über den Krieg den Schädel wegschießt, stimmlich und darstellerisch am überzeugendsten profilieren. Auch das übrige Ensemble von Jürgen Trekel über Björn Christian Kuhn, Nils Giesecke und Olaf Schöder bis zu Gabriele Bernsdorf, Mária Petrasovská und Mona Deibele, und dem Erzähler Thomas Just werfen sich für diese verdienstvolle Ausgrabung ins Zeug. Bei der einem am Ende, wenn der Chor der Versehrten aufmarschiert, jedes Lachen im Halse stecken bleibt.

Robert Kurka: Der brave Soldat Schwejk
Oper Halle, im Volkspark. Premiere: 9.5.09
Information und Termine: www.oper-halle.de