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Kaserne oder Kantine?

Carl Reinthalers „Das Käthchen von Heilbronn“ am Theater Erfurt
Von Ute Grundmann

Kunigunde spielt ihren „Er ist mein“-Triumph kalt und herrisch aus – der Graf vom Strahl „gehört“ ihr. Der singt zwar auch von der schönsten Stunde seines Lebens, doch so zart, als gelte dies einer anderen. Das ist einer der wenigen Momente in der Erfurter Inszenierung des „Käthchens von Heilbronn“, in denen die Konflikte musikalisch und szenisch Kontur bekommen.

Der Komponist dieser romantischen Oper in vier Akten, Carl Reinthaler, wurde 1822 in Erfurt geboren, später Domkantor und Generalmusikdirektor in Bremen, wo seine „Käthchen“-Oper, 1881 in Frankfurt am Main uraufgeführt, zum letzten Mal gespielt wurde. Nun hat man das Werk in Erfurt wieder ausgegraben – das vom Kleist-Drama gerade das Allernötigste mitbringt. Das „Vorspiel – Der Traum“, in dem das Mädchen und der Adlige jeweils ihren Liebestraum singen, spielt in der väterlichen Schmiede. Die hat Hank Irwin Kittel zu einem Mittelding aus Kaserne und Kantine gemacht: Auf grauen Spinden liegen Helme bereit, an Wirtshaustischen gibt es Suppe. Den Krieg will Regisseur Peter Hailer zum Mit-Thema seiner Inszenierung machen, doch das gerät mit Helm-Ab-Aufstellung eher plakativ. Auch Gut und Böse sind optisch klargemacht: Kunigunde (Ilia Papandeou) trägt hochhackige Lackstiefel zum kurzen, schwarzen Kleid; Käthchen kommt in Rock, Bluse und Wanderstiefeln daher. Die beiden Sängerinnen gestalten ihre Partien durchaus differenziert, vor allem Marisca Mulders Käthchen ist, obwohl indisponiert, geradlinig, hoch und hochgemut, eine starke Frauenfigur ohne jeden Kitsch. Der Graf vom Strahl des, ebenfalls erkälteten, Richard Carlucci dagegen wirkt oft, als wisse er gar nicht, wie er da hinein geraten sei – den starken Frauen fehlt so das Gegenüber.

Musikalisch hat Reinthalers Oper durchaus Reize, wenn sie auch selten mitreißend wird: Die Vorbilder Schumann und Mendelssohn hörbar, ein sehr liedhafter Gestus, der selten, aber effektvoll ins Dramatische kippt. Am Ende schlägt dann wieder die Regie zu: Vom Paradies wird gesungen, dazu wird Suppe gelöffelt.

Carl Reinthaler: Das Käthchen von Heilbronn
Theater Erfurt. Premiere: 21.3.09
Informationen und Termine: www.theater-erfurt.de