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Satirisch und ratlos

Yael Ronens Theaterprojekt “Dritte Generation” an der Berliner Schaubühne
Von Frank Weigand

Selten wurde eine Theaterarbeit bereits im Vorfeld so kontrovers diskutiert wie die Inszenierung “Die Dritte Generation”, die die 32-jährige israelische Starregisseurin Yael Ronen gemeinsam mit deutschen, israelischen und in Israel lebenden palästinensischen Schauspielern erarbeitete. Das Projekt, das als “work in progress” bereits in Halle, Madrid, Parma und Tel Aviv zu sehen war, bringt die Enkel der Opfer und Täter von Shoa und palästinensischer Vertreibung gemeinsam auf eine Bühne, um jenseits aller vereinnahmenden Diskurse an historischen Tabus zu kratzen. Genau diese Konstellation sorgte auch für politischen Gegenwind: So verließ bei der Aufführung in Tel Aviv eine Mitarbeiterin des israelischen Außenministeriums unter Protest den Saal und in Berlin protestierte ein Mitglied der jüdischen Gemeinde gegen die angeblich im Stück vorkommende Banalisierung des Holocaust durch die Gleichstellung mit anderen menschlichen Tragödien.

Seit über einem Jahr arbeiten die Regisseurin und ihre zwölf Schauspieler an einer ständig wechselnden Collage von kurzen Sketchen, die sich sowohl an den geschichtlichen Traumata der Vergangenheit als auch dem blutigen Tagesgeschehen im Nahen Osten abarbeitet. Im Mittelpunkt stehen die persönlichen Geschichten der Akteure, ihre Familientraumata – und vor allem die Berührungsängste, Klischees und latenten Rassismen im Umgang miteinander. Bei der Aufführung der neuesten Fassung des Werkes an der Berliner Schaubühne entpuppte sich die vorausgegangene Aufregung allerdings als weitgehend unbegründet.

Ronens “Dritte Generation” wirkt stellenweise wie das kabarettistische Ergebnis einer gut gemeinten internationalen Studentenbegegnung. Immer wieder hat man das Gefühl, dass die Akteure, die immerhin schon seit Monaten in lebhafter Diskussion an dem Stück arbeiten, ihre Provokationen allzu homöopathisch dosieren. Gleichzeitig schleppt das extrem wortlastige Stück an seinem aufklärerischen Anspruch: Als theatralische Einführung in die komplizierte Verbindung zwischen Holocaust und Nahostkonflikt bleibt es zu sehr an der Oberfläche, als Provokation für den Zuschauer, der sich bereits ein wenig mit dem Themenkreis beschäftigt hat, bleibt es zu harmlos und zu leicht konsumierbar.

Ein weiteres Manko ist die formale Unentschlossenheit: Einerseits verzichtet Ronen auf die gesamte Illusionsmaschinerie von Mimesis und psychologischer Einfühlung, auf der anderen Seite werden vor allem die Szenen, die sich mit dem Leid der Palästinenser beschäftigen, derart psychologisch-realistisch gestaltet, dass sie fast unfreiwillig komisch wirken.

Vielleicht ist es aber auch unmöglich, einem derart komplizierten Themenkreis mit Theatermitteln zu Leibe zu rücken. Somit dürfte die wütende Ratlosigkeit, die sich nach und nach beim Zuschauer einstellt, durchaus von der Regisseurin beabsichtigt sein.

Yael Ronen: Die Dritte Generation
Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin. Premiere: 20.3.09
Informationen und Termine: www.schaubuehne.de