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Diese Götter gierig und durchtrieben Das Theater Lübeck beherbergt jetzt neben dem großen Projekt der „Ring“-Tetralogie einen ganz besonderen Schatz: „Das Rheingold für Kinder“. Auch Erwachsene lassen sich gern belehren von diesem eigentlich unopernhaften Stück über Gier, Eitelkeit, List, Lüge und Verrat. Die wahren Helden Siegfried und Brünnhilde sind noch nicht auf dem Plan und Wotan agiert auch nicht gerade heldenhaft, wie Loge und Fricka immer wieder vorführen. Was die Aufführung trotz des schnöden Inhalts spannungsreich, ja sogar vergnüglich macht, ist das lebendige Zusammenspiel aller Bühnenkräfte: Sascha Mink arbeitet mit seiner handfesten Regie die egoistischen, allzu menschlichen Züge der Figuren heraus; die Inszenierung hat einen klaren Blick für bühnenwirksame Gesten und Haltungen, was sich besonders an dem durchtriebenen Loge studieren lässt. Das operettenhaft Bunte der Kostüme (Katia Diegmann) unterstreicht die frivolen Elemente der tragischen Götterfarce. Allen voran die Riesen als Erbauer der Götterburg haben markante Frisuren mit Hammer und Säge als Zeichen ihrer grobschlächtigen Zunft. Auf Erstklässler wirken sie fast unheimlich durch die Musik, die Wagner ihnen zugedacht hat, und die hier von fünf Blechbläsern (das Ensemble Lemmy’s Brass) gespielt wird. Die Reduktion eines kompletten Orchesterklangs auf charakteristische „Platzhalter“-Instrumente ist nicht ohne Risiko. Die Ausdünnung kommt aber zum einen der Sprachverständlichkeit zugute, zum anderen wirken die Instrumente mehr kommentierend, stellenweise klingt die Musik nach Kurt Weill. Die musikalische Kommunikation mit den Sängern klappt ohne sichtbaren Dirigenten (Carl Augustin) auch an rhythmisch heiklen Stellen erstaunlich gut. Die Qualität der Taschenoper Lübeck ist auch bei den Sängern gewohnt hoch: Wotan und Alberich (Jan Westendorff, Titus Witt) erfreuen mit satt bassbaritonalen Stimmen, Regine Gebhardt (Fricka, Wellgunde) mit klangschönem Mezzo. Heimlicher Held der Aufführung ist Loge, von Henning Kothe mit metallischem Tenor und großartiger Spielpräsenz ausgestattet. Das Einzige, das sich meine beiden Schulanfänger nach dieser Oper so ganz ohne Liebesglück und Heldentum wünschen, ist: die Fortsetzung mit Siegfried. Richard Wagner: Das Rheingold für Kinder |
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