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Einmal Riviera und zurück

Puccinis „La Rondine“ an der Oper Leipzig
Von Joachim Lange

Diese Schwalbe (La Rondine) ist das Puccini-Softprogramm. 1917 in Monte Carlo uraufgeführt und weltweit rumgekommen, konnte sie in Deutschland nie so recht landen. Schwalbe Magda ist nämlich mal keine kranke, sich selbst oder andere mordende Heldin, deren Schicksal auf die Mitleidsträne des vom melodischen Schwall hinweg gespülten Publikums aus ist. Sondern sie segelt „nur“ auf den Wogen des Gefühls, die ja an Puccini so süffig und „schön“ sind. Vom geschmeidigen Salon-Parlando mit melancholischem Einschlag, über die Aufschwünge bis zum tragischen Anschmachten, wenn es dann doch nichts wird, mit der Transformation der großen Liebe zu Heim, Herd und Kinderglück.

Was vom Franz Lehár Bewunderer Puccini im Wiener Auftrag als sein Beitrag zur Operette, mindestens aber als eine leichtfüßige musikalische Komödie gedacht war, das geriet dem Italiener gegen Ende des ersten Weltkrieges unter der Hand dann doch zum luxuriös ausgepinselten Opern-Schmachtfetzen. Auch wenn‘s mal walzert und man sich beim großen Ballfinale im zweiten Akt nicht wundern würde, wenn da ein russischer Prinz daher käme. Ein Dienstmädchen in der Garderobe ihrer Herrin ist nämlich auch da. Die heißt hier nicht, wie in der Fledermaus, Adele, sondern Lisette (und ist bei Susanna Andersson bestens aufgehoben). Das Ganze ist so eine Art entschärfte Traviata, die Puccini zwischen dem glamourösen Paris und der idyllischen Riviera flattern lässt. Der im poetischen Eifer vom zweiten Tenor im Stück, dem Dichter Prunier, zur davon fliegenden Schwalbe verklärten Magda geht’s eigentlich ganz gut. Sie genießt selbstbewusst ihr Leben unter der Obhut eines reichen Gönners. Sie ist aber auch eine Frau mit Vergangenheit. Dieser gewissen, jenseits der ehestiftenden Jungfräulichkeit, die dem 19. und 20. Jahrhundert die großen Bühnenstoffe lieferte. Ihrem Ruggero (Marke guter Junge vom Lande) würde das nicht mal was ausmachen, er nähme sie auch so. Aber sie hat nun mal das patriarchalische Frauenbild so verinnerlicht (und wohl auch kein Talent zum kleinen Glück), dass ihr großmütiger Verzicht auf eine Legalisierung ihrer Liebe im Angesicht der Eltern und der Öffentlichkeit die Steilvorlage für ein halbwegs tragisches Finale abgibt. Richtig lustig bei Puccini ist eben doch nur „Gianni Schicchi“.

Mit ihrer Quasi-Ausgrabung hat sich die Oper ein risikofreies Schmankerl gegönnt. So vorbereitet kann vor allem Roger Epple am Pult des Gewandhausorchesters mit einer sinnlich leichten, geschmeidigen Italianitá abräumen. Gegenüber der puren Schönheit dieser Musik kann man ohnehin nur die Waffen strecken.

Dass das Libretto von Giuseppe Adami etwas dünn ist, mag die wenigsten stören, zumal sich Regisseur Immo Karaman und sein Choreograph Fabian Posca in Kaspar Zwimpfers abstrahiertem Edelschick, einem nach allen Seiten offenen, meist rot-braun dominierten Salon, alle Mühe geben, keine Rumstehlangeweile aufkommen zu lassen. Die Augen müssen schon offen bleiben, denn los ist hier immer was. Im stilisierten Paris tragen die Damen vornehmlich kühl blonde Moderne zu Hose und roten Handschuhen. Bei den Herren gibt’s zumindest für die Dichter auch schon mal nackte Brust zum modischen Frack. Nicht nur damit, sondern vor allem wegen seines hinreißend geschmeidigen Timbres wird Tiberius Simu als Latinlover Prunier zum Glanzlicht des Ensembles. Auch Elaine Alvarez als Magda und Edgaras Montvidas als Ruggero liefern eine solide, sich steigernde Stimmkost. Zuspruch gibt es am Ende für Alle.


Giacomo Puccini: La Rondine
Oper Leipzig. Premiere: 28.3.09
Informationen und Termine: www.oper-leipzig.de