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Arbeiter am Abgrund
Carlisle Floyds Oper „Von Menschen und Mäusen“ in Hof
Von Jörn Florian Fuchs
Fast hatte man ihn ob des Obama-Jubels schon vergessen, doch nun holt ihn das Theater Hof zurück auf die Bildfläche: George W. Bush und Gattin Laura grinsen aus dem Programmheft heraus ins Publikum. In ihrer Bildmitte sieht man den Komponisten Carlisle Floyd, der sichtlich gerührt eine wichtige Ehrung entgegennimmt. Bush und Neue Musik? Schwer vorstellbar. Nun ja, Floyd (Jahrgang 1926) schreibt ja auch keine wirklich neuen Töne. Er beherrscht das kompositorische Grundhandwerk, bleibt materialtechnisch jedoch weit hinter Copland oder auch Barber zurück. Stattdessen gibt es reichlich Filmmusik-Anklänge sowie einige schön geformte Akkordballungen. Seine 1970 in Seattle uraufgeführte Oper „Von Menschen und Mäusen“ zeigt die Psychostory im Milieu des harten Lebens der Tagelöhner und Saisonkräfte im Kalifornien der 1930er Jahre (nach Steinbecks berühmtem Roman) mit Schmackes und breitem Klangkolorit. In Hof verlegt der regieführende Intendant Uwe Drechsel das Geschehen in ein ziemlich düsteres Retroschmockambiente (Bühne: Rudolf Rischer). Die Personenführung ist unbeholfen, streckenweise lähmend, echte Charaktere entstehen keine. Allerdings liefert auch die Vorlage eher eindimensionale Figuren.
Gesungen wird in Hof solide, Thomas Rettensteiner gibt den Brudermörder George mit klarer Diktion, sein Opfer Lennie bemüht sich nach Kräften (nicht immer erfolgreich) ums (stimmliche) Durchhalten. Sehr schrill leider die eigentlich bewährte Hofer Hauskraft Ingrid Katzengruber, ordentlich dagegen Thilo Andersson als ein immer wieder das Geschehen kommentierender ‚Balladensänger’. Im Ganzen bleibt die Frage, was uns das Stück heute zu sagen hat und warum man es aufführen soll. Sowohl dramaturgisch wie kompositionstechnisch sind die Werke eines André Previn oder Jake Heggie um einiges interessanter.
Carlisle Floyd: Von Menschen und Mäusen
Theater Hof. Premiere: 27.2.09
Informationen und Termine: www.theater-hof.de
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