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Alles dreht sich um Blanche

Hagen, A Streetcar named Desire von André Previn
Von Konstanze Führlbeck

Blanche Dubois, mit subtil ausdifferenzierten stimmlichen Nuancen und darstellerisch überzeugend verkörpert von Dagmar Hesse, steht im Mittelpunkt von Roman Hovenbitzers Inszenierung der 1998 in San Francisco uraufgeführten Oper des amerikanischen Stardirigenten, Pianisten und Komponisten André Previn nach dem gleichnamigen Südstaatendrama von Tennessee Williams. Ihre Wahrnehmung strukturiert die Inszenierung: Um sie kreisen die Dialoge aller; ihre Albtraum- und Wahnvorstellungen dominieren in übergroßen Videoprojektionen die Bühne. In der engen kleinbürgerlichen Zweizimmerwohnung, in der ihre Schwester Stella, von Stefania Dovhan in Ringelshirt, Minirock und Turnschuhen mit jugendfrischem lyrischem Sopran und burschikoser Haltung stimmig interpretiert, mit ihrem Mann Stanley Kowalski in New Orleans lebt, prallen die unterschiedlichen Charaktere aufeinander und die Konflikte eskalieren. Stella ist hin und her gerissen zwischen der Loyallität zu ihrer Schwester und ihrer sexuellen Hörigkeit Stanley gegenüber, den sie selbstverloren liebt. Ferenc von Szita als Stanley dagegen trumpft mit Halbstarkengehabe gegen die „überkandidelte“ Blanche auf und vergewaltigt sie schließlich, da er instinktiv die unerfüllte Erotik der wegen unzüchtigen Verhaltens gefeuerten Ex-Lehrerin erkannt hat, die diese auch in New Orleans durch die missglückte Verführung eines Postboten und von Stanleys Freund Mitch (Dominik Wortig) zu befriedigen suchte. Gegen den Widerstand von Stella und Mitch setzt er Blanches Unterbringung in einer Nervenheilanstalt durch.

André Previn findet für dieses Psychodrama eine bei aller Polystilistik nie eklektizistische Tonsprache, die auf der stringenten Verwendung von Leitmotiven aufgebaut ist, die ihre Gestalt im Verlauf der Oper kaum verändern. Reminiszenzen an Filmmusik und Jazz, aber auch moderne Clustertechniken prägen die Musik, die das flexibel agierende Philharmonische Orchester Hagen unter der feinnervigen Leitung von Roland Vieweg in einer packenden Interpretation lebendig werden lässt.


André Previn: Endstation Sehnsucht
Theater Hagen. Premiere: 4.10.08
Information und Termine: www.theater.hagen.de