|
Reigen der Verletzten Dea Lohers „Das letzte Feuer“ am Staatsschauspiel Dresden (Fast) jede(r) darf mal die alzheimerkranke Oma spielen. Perücke, Brille, Bademantel reichen als Charakterisierung der alten Frau, die im Schaumbad abgeschrubbt wird und nach ihrem toten Enkel fragt. Dreimal lässt Regisseur Niklaus Helbling diese Szene spielen, sie dabei von links nach rechts über die Bühne wandern. Das ist komisch, zumal der Schaum zum Bad aus der Tüte kommt, aber auch so etwas wie ein roter Faden. Denn so wie die verwirrte Frau immer wieder nach dem kleinen Edgar fragt, sind am Ende alle mit dessen tödlichem Verkehrsunfall verknüpft. Der ist der Ausgangspunkt in Dea Lohers 2008 uraufgeführtem Stück „Das letzte Feuer“, das nun auch am Staatsschauspiel Dresden zu sehen ist. Schon das Bühnenbild von Dirk Thiele signalisiert Umbruch: Ausgehängte Türen, Tapeziertische, Teppichrollen. Hier marschiert das Ensemble auf, um sich als „Wir“ an den Unfall zu erinnern: Tastend suchen sie nach den richtigen Worten, um dann wie Autobahn-Gaffer ins Publikum zu starren. Diesen Wechsel von dichten zu plakativen Szenen, von laut und komisch zu still und anrührend behält Helblings neunzigminütige Inszenierung im Kleinen Haus bei. Manches, wie die Wandlung der Polizistin von der Aufklärerin zur, vielleicht, Verursacherin des Unfalls, wird eher aufgesagt. Auch die Flucht des Vaters in die Rolle als Lotto-Glücksfee ist eher eine Solo-Nummer mit Mikrophon. Doch es gelingt auch immer wieder, den Reigen der innerlich und äußerlich verletzten Menschen, die Trost und ein Gegenüber suchen, eindringlich darzustellen. Und am Ende, wenn der versehrte Soldat (Philipp Lux) endlich spricht und alle seine Worte nachflüstern, schließt sich der Kreis. Und immer wird hier deutlich Theater gespielt, das Bühnenbild zum Materialfundus für das Ensemble: Für ein Zimmer reicht eine Tür, die aber immer jemand festhalten muss. Und für eine Bootsfahrt wird ein Tisch umgekehrt, auf Papprollen und in Fahrt gesetzt. |
|||