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Grausig gut Stadttheater Regensburg: „Tannöd“ Das Buch schlug ein wie eine Bombe. Wohl niemand hatte damit gerechnet, dass gleich das Erstlingswerk der Oberpfälzerin Andrea Maria Schenkel wochenlang Platz eins der Bestsellerlisten erobern würde. Dabei ist „Tannöd“ alles andere als ein typischer Kriminalroman, gibt’s hier doch keinen Kommissar und keine Ermittlungen nach dem Motto „Wer hat’s getan?“. Auch wer der Mörder ist, bleibt am Ende offen. Nach einem historischen Fall, der niemals aufgeklärt wurde, schildert die Autorin aus verschiedenen Perspektiven die grausige Bluttat: Am 31. März 1922 werden im oberbayerischen Hinterkaifeck sechs Menschen auf einem Einödbauernhof mit der Spitzhacke erschlagen. Nun ist das Stück, das in der Bühnenadaption von Maya Franke und Doris Happl im März 2008 am Tiroler Landestheater Innsbruck uraufgeführt wurde, in Schenkels Geburtsstadt Regensburg zu sehen. Und die Inszenierung von Oberspielleiter Michael Bleiziffer im Velodrom trifft in packender Weise die unheimliche Atmosphäre dieser abgeschiedenen bäuerlichen Welt, die geprägt ist vom katholischen Glauben, der Engstirnigkeit und dem Wegsehen dieser einfachen Menschen. Von Inzest, Gewalt in der Familie und Vergewaltigung ist hier die Rede, wie Mosaiksteinchen fügen sich die Schilderungen der Zeugen allesamt Nachbarn und Dorfbewohner nach und nach zu einem schauderhaften Bild zusammen. Dabei bleibt das Schauspiel sehr nahe am Roman spannend bis zur letzten Minute. Der bäuerliche Kosmos wird durch einige unterschiedlich große Holzkisten angedeutet, die den acht Akteuren vier Männer und vier Frauen in gleich mehreren Rollen mal als Schlafkammer, als Gebetsstuhl, Stall oder Ausguck dienen. In der Mitte der nicht selten von kaltem Nebel durchzogenen Bühne (Karl-Heinz Steck) öffnet sich für jeden der sechs Morde die große Stallungstür wie ein gleißender Schlund. Warum der alte Danner (Miko Greza), seine Frau (Nikola Norgauer) und Tochter (Anna Dörnte) samt Kindern und Magd (Gabriele Fischer) komplett ausgelöscht werden, bleibt bis zuletzt rätselhaft und lässt nur Spekulationen zu. Doch dieses Spiel mit der eigenen Vorstellungskraft des Zuschauers macht den Reiz dieses Dramas aus: Das Unausgesprochene, das Nicht-Gezeigte ist schon grausam genug und zeichnet diese bigotte Gesellschaft, die sich von ihrer Mitschuld in intensiven Rosenkranzgebeten reinwaschen will. |
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