|
Bewegungswelten „Choreographische Spuren“ beim Augsburger Ballett Obwohl nur wenige Minuten lang, fordert „Zero in on“, die Uraufführung des Katalanen Cayetano Soto, volle Konzentration. Kleinste Gesten, ein Schlag mit dem Fuß, Einwärtsdrehungen der Glieder, irritierende Brüche in der Körperlinie durch vermeintlich unvereinbare Kombinationen aus tiefen Pliés und gegenhaltenden Streckungen faszinieren wie ein kubistisches Gemälde, dessen Schönheit sich hinter Ecken und Kanten verbirgt. Ein choreografischer Wurf, dem Ballettdirektor Robert Conn „Plenilunio“, das 2002 entstandene Erstlingswerk des jungen Choreografen für drei Paare folgen ließ mit dem Effekt, dass Sotos frappierende Wandlung, Verdichtung und Weiterentwicklung nicht nur in punkto Bewegungsvokabular sichtbar wurde. Vorangestellt hatte Conn die Kreation „In the Air Clear and Unseen“ des 51-jährigen Mailänders Davide Bombana: ein modernes Tanzstück, dass seine Impulse in erster Linie aus der Musik Bachs „Sonaten und Partiten für Violine solo“ im Wechsel mit Walter Fähndrichs „Viola“-Klangexperimenten zieht. Das anfängliche Ertasten und Ausloten der Tänzer von Balancen und Schwüngen steigert sich bald zu flüchtigen Skizzen von existenziellen Befindlichkeiten, die immer wieder von kurzen Soloparts zu Begegnungen und Interaktionen führen darunter drei komplexen Pas de deux. Gelegenheit satt für die 10 Tänzerinnen und Tänzer, sich in Bestform zu präsentieren. Nur die von Conn als fetziges Finale zu einer Songkollage gedachten „Canzoni“ (1997) des Italieners Mauro Bigonzetti verfehlten ihren Zweck. Nach Bombana und Soto fehlte seinen Miniaturen der Pfiff, verloren sich Ausdruckkraft und technische Spielereien zwischen den Paaren, Trios und Gruppen im Belanglosen einer unterhaltsamen Träumerei. Choreographische Spuren |
|||