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Bewegungswelten

„Choreographische Spuren“ beim Augsburger Ballett
von Vesna Mlakar


Es ist die Kunst der Gegenüberstellung, die diesen Abend auszeichnet. Der Mix an choreographischen Handschriften, verteilt über 2 ½ Stunden, birgt viele stilistische Herausforderungen für die Interpreten. Zugleich muss sich das Publikum Stück für Stück neu einstimmen. Ausgerechnet das frech-komprimierte Highlight des neuen Vierteilers, der am 21. Februar im Theater Augsburg Premiere feierte, lässt dem Auge dazu jedoch keine Zeit: Zwei Tänzer (präzise wie ein feinmechanisches Uhrwerk, den Schalk in den gespreizten Fingern: Christine Ceconello und Stéphen Delattre) ziehen den Blick magisch an, noch bevor der Vorhang ganz offen ist. Zur Opening-Sequenz aus Philip Glass’ „Glassworks“ verbiegen und verdrehen sich ihre Körper ins Extreme – unvorhersehbar und scheinbar einfach, dabei so raffiniert, dass man unmöglich alles beim ersten Sehen erfassen kann.

Obwohl nur wenige Minuten lang, fordert „Zero in on“, die Uraufführung des Katalanen Cayetano Soto, volle Konzentration. Kleinste Gesten, ein Schlag mit dem Fuß, Einwärtsdrehungen der Glieder, irritierende Brüche in der Körperlinie durch vermeintlich unvereinbare Kombinationen aus tiefen Pliés und gegenhaltenden Streckungen faszinieren wie ein kubistisches Gemälde, dessen Schönheit sich hinter Ecken und Kanten verbirgt. Ein choreografischer Wurf, dem Ballettdirektor Robert Conn „Plenilunio“, das 2002 entstandene Erstlingswerk des jungen Choreografen für drei Paare folgen ließ – mit dem Effekt, dass Sotos frappierende Wandlung, Verdichtung und Weiterentwicklung nicht nur in punkto Bewegungsvokabular sichtbar wurde.

Vorangestellt hatte Conn die Kreation „In the Air Clear and Unseen“ des 51-jährigen Mailänders Davide Bombana: ein modernes Tanzstück, dass seine Impulse in erster Linie aus der Musik – Bachs „Sonaten und Partiten für Violine solo“ im Wechsel mit Walter Fähndrichs „Viola“-Klangexperimenten – zieht. Das anfängliche Ertasten und Ausloten der Tänzer von Balancen und Schwüngen steigert sich bald zu flüchtigen Skizzen von existenziellen Befindlichkeiten, die immer wieder von kurzen Soloparts zu Begegnungen und Interaktionen führen – darunter drei komplexen Pas de deux. Gelegenheit satt für die 10 Tänzerinnen und Tänzer, sich in Bestform zu präsentieren. Nur die von Conn als fetziges Finale zu einer Songkollage gedachten „Canzoni“ (1997) des Italieners Mauro Bigonzetti verfehlten ihren Zweck. Nach Bombana und Soto fehlte seinen Miniaturen der Pfiff, verloren sich Ausdruckkraft und technische Spielereien zwischen den Paaren, Trios und Gruppen im Belanglosen einer unterhaltsamen Träumerei.


Choreographische Spuren
Theater Augsburg. Premiere: 21.2.09
Information und Termine: www.theater.augsburg.de