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Festspiele heißt unser Schwerpunkt im September, denn dieser Sommer brachte nicht nur die üblichen Verdächtigen auf den Plan, sondern stellte auch seltenere Exemplare zur Schau: die nur aller 10 Jahre stattfindenden, traditionsreichen Oberammergauer Passionsspiele etwa oder das spartenübergreifende Festival Theater der Welt im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr 2010. Es gibt eine ungebrochen vielfältige Festspielkultur, die Amelie Deuflhard Intendantin der Internationalen Kulturfabrik Kampnagel in Hamburg im Schwerpunktessay dieses Heftes ästhetisch einordnen wird, ehe wir uns den Events von Salzburg, Bayreuth, Avignon, Oberammergau und Bregenz widmen. Doch zuvor ein paar Eindrücke aus einer der ehrwürdigsten Festspielstätten Europas.
Über Bayreuth wird viel geschrieben, das etablierte Stelldichein ist ja auch eine willkommene Abwechslung zur üblichen Jahrespressearbeit und nebenbei delikates Futter fürs Sommerloch. Wenn man als verhältnismäßig junger Mensch dann wiederholt Karten für Bayreuth hat, bleibt das trotz Arbeitsauftrag reichlich außergewöhnlich. Wagner öffnet eben ein Universum, das in der künstlerischen Auseinandersetzung noch Tage später unfassbar viel mentale und emotionale Energie absaugt.
Doch es gibt auch eine Kultur neben der Hochkultur, die kleinen Skurrilitäten, die man wachen Auges im geselligen Umfeld der Bayreuther Festspielabende erleben kann: Ein Gatte zu seiner Gemahlin in langer Robe rufend: „Ich geh auf ’n Pott auf der andern Seite!“ Ein junges, herausgeputztes Mädchen zu ihrer Mutter, die sie unablässig im Zuschauerraum fotografierte: „Cool, das stell ich nachher gleich bei Facebook rein...“ Auch künstlerische Einschätzungen: „Nur vorne ’rumstehen und singen und hinten die Viecher, das reicht mir nich...“ oder „Die Ratten wegdenken, dann bleibt die Geschichte...“ Alles irgendwie absurd. Wie die wartenden Enthusiasten ihre Kartengesuche auf Kaffeefiltertüten geschrieben haben. Wie ein betagter Herr neben mir den kompletten (!) ersten Akt des „Parsifal“ verschlief. Oder wie eine Amerikanerin im Park, hinter den Büschen, eine Karte für mehrere hundert Dollar kaufte. Letztlich wollen alle nur das eine: den weltweit einzigartigen Wagner-Rausch, den es nur in diesem Saal geben kann. Andris Nelson und Hans Neuenfels sei Dank beim „Lohengrin“ gab es ihn.
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