Mit "2 Uhr 14" in der Regie von Ronny Jakubaschk wird am 4.Mai das 8. Sächsische Theatertreffen am Leipziger Theater der Jungen Welt eröffnet.

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Zwischenruf

Leipzig: Sächsisches Theatertreffen

von Ute Grundmann
Vom 4. bis zum 8. Mai 2014 findet die Leistungsschau der sächsischen Sprechtheater zum achten Mal statt - in Leipzig, wo das Treffen im Jahr 2000 aus der Taufe gehoben wurde.

Eine Reise durch die Theaterlandschaft Sachsens in fünf Tagen – das bietet in diesem Jahr wieder das „Sächsische Theatertreffen“ in Leipzig. Vom 4. bis 8. Mai präsentieren die elf Stadttheater des Freistaates (von Annaberg bis Zwickau) je eine Aufführung, die sie für ihr Haus besonders charakteristisch finden. Gastgeber sind erstmals zwei Theater in einer Stadt: Das Schauspiel Leipzig und das Theater der Jungen Welt, oder „das große und das kleine Stadttheater“, wie es TdJW-Intendant Jürgen Zielinski selbstbewusst formulierte. Insgesamt sind 15 Aufführungen zu sehen, erstmals sind Produktionen der Freien Szene dabei und die Oper Leipzig beteiligt sich ebenfalls am Festival.

Damit setzt „das Flaggschiff“ (Dr. Christoph Dittrich) der sächsischen Theater wieder die Segel und kehrt an seinen Ursprungsort zurück: Im Jahr 2000 hatte Leipzigs Intendant Wolfgang Engel das Theatertreffen initiiert. Zuletzt war man in Görlitz und Zittau zu Gast, mit dem Thema „Gerhart Hauptmann“, in diesem Jahr hat man sich kein Motto gegeben, sondern sieht das Festival „als Leistungsschau“ der beteiligten Theater, wie es Christoph Dittrich bezeichnete. Veranstalter ist der Landesverband Sachsen im Deutschen Bühnenverein, dessen Vorsitzender der Chemnitzer Generalintendant ist und die beiden Leipziger Häuser. Wie seit Beginn gibt es eine Projektförderung durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Unterstützung kommt auch von der Stadt Leipzig, die den erstmals vergebenen „Preis des Sächsischen Theatertreffens“ gestiftet und mit 5000 Euro dotiert hat. Als Medienpartner engagiert sich Die Deutsche Bühne und erstmals hat Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich die Schirmherrschaft übernommen, was Dittrich als „wichtiges Bekenntnis zur Theaterlandschaft Sachsens“ versteht.

Für Enrico Lübbe, seit Beginn dieser Spielzeit Intendant am Schauspiel Leipzig, ist das jetzige Theatertreffen „ein bißchen wie nach Hause kommen“ - war er doch schon beim ersten Theatertreffen mit einer Inszenierung dabei. Es jetzt auszurichten, war ihm wichtig; die „Leistungsschau“ soll das Treffen, das auf fünf Tage komprimiert wurde, aufwerten und mit dem von einer Jury vergebenen Preis auch ein Zeichen setzen. Dabei setzen die gastgebenden Theater Auftakt und Schlußpunkt: das Theatertreffen beginnt am 4. Mai mit „2 Uhr 14“ von und im Theater der Jungen Welt am Lindenauer Markt; das Stück um einen Amoklauf zeigt „Aufbrüche ins Leben“, so der Geschäftsführende Dramaturg Jörn Kalbitz. Am Abend ist dann Bogdan Kocas Chemnitzer „Hamlet“-Inszenierung zu sehen, die, so Dittrich, die Rezeptionsgeschichte des Stückes aufnimmt. Der zweite Festivaltag beginnt mit „Cherryman jagt Mr. White“ vom Theater Junge Generation Dresden, ein Stück von Jakob Arjouni, in dem ein Schüler in eine neofaschistische Organisation gerät. Ebenfalls aus Dresden kommt „Der geteilte Himmel“ nach Christa Wolfs Roman, am Staatsschauspiel von Hausregisseur Tilmann Köhler inszeniert, eine, so Intendant Wilfried Schulz, „angenehm unspektakuläre Inszenierung von leiser Ernsthaftigkeit“. Das Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau bringt die Deutsche Erstaufführung von „Gabriel“ mit nach Leipzig, eine Geschichte um das Tabu-Thema fehlender Mutterliebe.

Den dritten Tag des sächsischen Theatertreffens eröffnet das Theater Plauen-Zwickau mit der spartenübergreifenden Inszenierung von „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“, mit Schau-, Puppenspielern und Ballett. Abends dann Marius von Meyernburgs „Märtyrer“ um einen Jungen, der zum radikalen Christen wird – ein „Diskussionsangebot für Jung und Ältere“, so Eveline Günther, Chefdramaturgin am Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen. Am 7. Mai zeigen dann die Sächsischen Landesbühnen Radebeul ihre Inszenierung „Adams Äpfel“, die gemeinsam mit einer freien Tanztheatergruppe realisiert wurde. Vom Mittelsächsischen Theater Freiberg-Döbeln kommt die Inszenierung von Henrik Ibsens „Stützen der Gesellschaft“, deren aktuelle Parallele Dramaturg Dr. Roland Dressler mit „die Tränen des Uli Hoeneß“ benannte. Das Theatertreffen klingt dann aus mit „Märchenherz“ vom Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg-Buchholz, „ein kleines, feines Stück, genau das Richtige für das Treffen“, so Annalen Hasselwander, Chefdramaturgin, und mit der Inszenierung „Der Reigen oder Vivre sa vie“ des und im gastgebenden Schauspiel Leipzig.

Dass es erstmals ein „Fenster für freie Produktionen“ gibt, deren Angebot in Leipzig einzigartig sei, war nicht nur Jürgen Zielinski wichtig. Dirk Förster, Geschäftsführer und Künstlerischer Leiter des LOFFT, sieht das erstmalige Auftreten auch als „Leistungsschau“ der freien Gruppen und erhofft sich die Beteiligung der freien Szene auch bei folgenden Theatertreffen. Zu sehen sind „Adolf Südknecht – The improvised alternate-History Show“ in einer Leipziger Szene-Kneipe und „Die Regentrude“, eine „generationsübergreifende Produktion, bei der die Zuschauer Teil des Geschehens werden“. Unter dem Label „Leipzig special“ ist außerdem das Tanztheater „Bach bewegt“ zu sehen, ein Leipzig-Thema. Und nicht zuletzt beteiligt sich auch die Oper Leipzig am Theatertreffen, sie zeigt in der Musikalischen Komödie die Inszenierung „Das Tagebuch der Anne Frank“.

Das Interesse für das alle zwei Jahre stattfindende Sächsische Theatertreffen ist in Leipzig schon geweckt: Von den 3000 zur Verfügung stehenden Karten sind vier Wochen vor Beginn bereits 20 Prozent verkauft; wer einen Festivalpass (für die 11 Hauptaufführungen) für 71,50 Euro kauft, erhält ein Drei-Monats-Probeabo der Deutschen Bühne dazu.

Und wie immer das Theatertreffen auch ein Ort der Diskussionen und Gespräche um und über das Theater: Es wird ein ganztägiges Symposium zu „Spielarten der Theaterpädagogik“ geben und am 5. Mai eine öffentliche, prominent besetzte Podiumsdiskussion über „2015 – Wie weiter im Kulturraum?“, moderiert von Knut Lennartz, ehemaliger Redakteur der Deutschen Bühne. Die Intendanten aus Dresden (Wilfried Schulz), Bautzen (Lutz Hillmann) und vom TdJW (Jürgen Zielinski) diskutieren die Folgen, wenn 2015 das Sächsische Kulturraumgesetz novelliert werden soll und der Solidarpakt auf absehbare Zeit ausläuft – für die Theater „existentielle Fragen“.