Ein Ausschnitt aus Albrecht Dürers Sicht auf die "Apokalypse" des Johannes

Ein Ausschnitt aus Albrecht Dürers Sicht auf die "Apokalypse" des Johannes

Schauspielkritik

Katastrophenübung

von Detlev Baur

Nach der Offenbarung des Johannes: Apokalypse

Premiere: 09.06.2016 (Uraufführung)
Ruhrfestspiele/Volksbühne am Rosa-Luexmburg-Platz Berlin, Recklinghausen/Berlin
Homepage: www.ruhrfestspiele.de

Regie: Herbert Fritsch

Soloabende sind derzeit ziemlich erfolgreich im deutschen Theater. Edgar Selge verzückt momentan ganz alleine das Publikum im größten deutschen Schauspielhaus, wenn er in „Unterwerfung“ ganz alleine über drei Stunden den intellektuellen Konformisten im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg vorstellt. Und nun hat auch Regie-Spaß-Kanone Herbert Fritsch mit Wolfram Koch einen immerhin halb so langen Soloabend bei den Ruhrfestspielen (in Kürze dann an der Berliner Volksbühne) vorgestellt. Koch (mit seinem clownesk nur an den unteren Rändern wallenden Haar dem antipathischem Helden Selges nicht unähnlich) wuchtet keinen kleinen Text auf die große Bühne. Die auch „Apokalypse“ genannte „Offenbarung des Johannes“, der prophetische Abschluss des Neuen Testaments spart nicht mit Jubel- und Verdammungsparolen, Tiergestalten und Zahlenmystik.

Koch geht den schweren Stoff erwartungsgemäß locker und virtuos an. Mehr ein selbstgefälliger Striese im glitzergelben Anzug als ein pastoraler Weltverbesserer stellt er die große Distanz zur „Apokalpyse“ vor. Der Botenbericht des Propheten Johannes entwickelt sich so zur schrägen, aber bald auch etwas redundanten Solonummer. Mit dem minimalistisch begleitenden Musiker Ingo Günther und dem ihn als plapperndes Echo umtänzelnder Souffleusen-Schatten von Elisabeth Zumpe zeigt Koch ein kleines Martyrium, während er den unmöglichen Text exekutiert. Das hat Charme, führt aber nur selten zu wirklich anregenden Kollisionen mit dem Text; letztlich verwandelt sich hier die gute Nachricht in ein theatrales Gemurmel.

Ein zentrales Loch in der Bühnenmitte gibt zu Beginn den Prediger frei und nimmt ihn am Ende auch wieder auf. Im Mittelteil darf der Überflieger dann unter den Bühnenhimmel entschweben und auf einer schwingenden Treppe wieder zum sehnsüchtigen Duo an seiner Seite zurückkehren. Fürs Finale verwandelt sich der Entertainer dann in einen Harlequin im hautengen Kostüm. Diese Bilder sagen mehr als der redegewandte Hauptdarsteller. Fritsch und Koch machen den Pastor ganz zum Komödianten und zeigen damit den schön ausgeleuchteten Weltuntergang eher en passant. Eine schöne Kunstübung, keine Erleuchtung.