"Faust I" am Theater Bonn

"Faust I" am Theater Bonn

Glenn Goltz (Faust)

© Foto: Thilo Beu
Schauspielkritik

Schizofaust

von Detlev Baur

Johann Wolfgang Goethe: Faust 1

Premiere: 17.04.2015
Theater Bonn
Homepage: http://www.theater-bonn.de

Regie: Alice Buddeberg

Vier “Ich bin`s” bekommt Gretchen zur Antwort, als sie, an Fauste irre geworden, ihn nicht erkennt. In Alice Buddebergs Bonner Inszenierung des “Faust I” kommt mit Gretchen (Mareike Hein) nach etwa einer von drei Stunden immerhin eine Gestalt für dialogische Auseinandersetzung auf die Bühne. Denn Faust (Glenn Goltz) und seine drei Mephistos (Daniel Breitfelder, Johanna Falckner und Wolfgang Rüter) sind eigentlich eins, bilden sozusagen vier Seelen in einer Brust. Andere Gestalten gibt es nicht, allenfalls spiegeln einzelne Mephisti kurzzeitig Säufer in Auerbachs Keller oder die Hexe, also auch die irgendwie inneren Stimmen Fausts.

Doch zunächst gerät Faust als Maler in einer (über der ansonsten tristen Bühne, Bühne: Cora Saller) schaukelnden Kammer in eine Schaffenskrise hinein. Woher die kommt, was die mit Fausts innerem Streben zu tun hat und warum sie eins, zwei, drei innere Teufel anzieht, die wie die Hauptfigur mit bordeauxrotem Jäckchen und grauer Arbeitshose angezogen sind (Kostüme: Martina Küster), bleiben einige der vielen Ungereimtheiten der Inszenierung. Sie ist dramaturgisch zwar konsequent durchgeführt: Faust ist eine gespaltene Persönlichkeit, eine schwankende Gestalt, die sich am Ende tatsächlich vergiften wird – mit Terpentin samt Tabletten. Doch fehlen damit auch fast alle dramatischen Elemente.

Mit Gretchen, einer englischsprachigen Sängerin, kommt eine so vage wie große Liebe ins Spiel. Und hier ergeben sich teilweise auch Ansätze für eine Liebestragödie – auch hier tauschen Faust und Geprächspartnerin übrigens teilweise den Goethe-Text, wird Faust zum seiner Liebe unsicheren Mann mit Gretchenfragen. Doch selbst im verzweifelten Liebesdrama bleiben Spiel und Bilder blass, ist dieser „Faust“ eine gewagte, aber uneingelöste Behauptung, ein Gedankenspiel; es entwickelt sich kaum einmal ein Schauspiel. Auch Gretchen übrigens bekommt am Ende (sozusagen als faustische Leihgabe) die weibliche Mephista als Alter Ego. Verloren ist aber Faust: im Konzept der Inszenierung und in der Realität des Spiels.