Szene aus "Das Rotkäppchen" als Koproduktion von United Puppets und dem Theater an der Parkaue.

Szene aus "Das Rotkäppchen" als Koproduktion von United Puppets und dem Theater an der Parkaue.

© Foto: Christian Brachwitz
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Alle meine Leuchten

von Tim Sandweg

United Puppets: Das Rotkäppchen

Premiere: 28.10.2012
Theater an der Parkaue, Berlin
Homepage: http://www.parkaue.de

Regie: Mario Hohmann

2012 – wir feiern das 200. Jubiläum der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen sowie den Abschied von der Glühbirne. Gut, was die beiden Ereignisse nun eigentlich miteinander zu tun haben, beantworten UNITED PUPPETS nicht so recht. Dennoch vermengen sie in ihrer neuen Produktion „Das Rotkäppchen“, die in Kooperation mit dem Berliner Theater an der Parkaue entstand, beide Ereignisse und lassen schwarzgewandte Handpuppen mit Glühbirnenköpfen im Guckkasten auftreten. Der Jäger kommt grünköpfig daher, die Mutter verströmt herzliches Gelb, Oma Flämmchen hat ein ebensolches als Haupt und legt sich schließlich mit einer Nachttischlampenhaube zur Ruhe und die Hauptfigur trägt – natürlich – ein rotes Käppchen.

Mario Hohmann, der neben der Regie auch für die Ausstattung verantwortlich zeichnet, findet mit den glühenden Figuren einen ungewöhnlichen, ästhetischen Zugang. Vor dem farbig ausgeleuchteten Hintergrund wirken die Puppen fast wie Schattennegative, die sich selbst das spärliche Licht geben. In diesem dunklen Nadelwald ist es für den Wolf im Tannenpelz ein Leichtes, unterzutauchen und im richtigen Moment, seinen ganzen Charme einzusetzen. Die Blumen locken neonblau das rotleuchtende Käppchen auf die Schattenseite der Bühne, der Kuchen leuchtet rot, solange bis er ausgepustet wird, die Augen klimpern an und aus. Oder der vielleicht intimste Moment, wenn Oma und Enkelin im Wolfsbauch leuchten und sich fragen, wer hier eigentlich wen gefressen hat. Licht und Lampen – an diesem Phänomen, das das Zielpublikum, Kinder ab vier Jahren, faszinieren dürfte, spannen sich die bildnerischen Vorgänge auf, obgleich das Spielmaterial geradezu auffordert, noch weiter an die Grenzen seiner szenischen Möglichkeiten zu gehen. Pierre Schäfer und Melanie Sowa führen das leuchtende Puppenensemble durch die leicht erzählte Geschichte, finden ein enorm rhythmisches, präzises Spiel und für ihre Figuren passende, pointierte Töne, wie etwa für das selbstbestimmte, junge Mädchen oder den hinterlistigen Wolf.

Leider legt Hohmann mit seinem ästhetischen Einfall, der Glühbirne, die die ganze Nacht brennen muss, keine neuen inhaltlichen Schichten frei: Er lässt zwar die Geschichte an Rotkäppchens fünften und sechsten Geburtstag stattfinden und entsprechend der Kopffarben die Spieler von „allen ihren Kleidern singen“, dockt damit bei der Erfahrungswelt des jungen Publikum augenscheinlich an, erzählt aber sonst recht brav das Märchen nach. Damit bleibt die Kombination, Rotkäppchen und die Glühbirne, dann eben doch etwas beliebig. Auch 2012.